Die Akte

Ausführlicher Inhalt

In derselben Nacht werden in Washington zwei Mitglieder des Obersten Gerichtshofes ermordet: Der steinalte Richter Abraham Rosenberg wird in seinem Bett erschossen - auch einem Krankenpfleger jagt man kaltblütig eine Kugel in den Kopf - und Rosenbergs jüngeren Kollegen Jensen findet man erdrosselt in einem Pornokino. Die Polizei steht vor einem Rätsel: Rosenberg und Jensen gehörten verschiedenen politischen Lagern an.

An der Tulane-Universität in New Orleans erörtert Juraprofessor Thomas Callahan den mysteriösen Fall mit seiner Lieblingsstudentin und Freundin, Darby Shaw. Rosenberg war seinerzeit Callahans Lehrer. Ausgehend von den spärlichen Informationen, die sie aus den Nachrichten kennt, und den nicht viel erhellenderen Insider-Spekulationen Callahans, macht sich Darby daran, mit Hilfe ihres Computers und intensiven Bibliotheksrecherchen nach einer Querverbindung zwischen Rosenberg und Jensen zu suchen. Das Ergebnis ihrer Recherchen hält sie in einem ausführlichen Bericht fest, den sie die "Pelikan-Akte" nennt.

Callahan zeigt sich von Darbys eher aus sportlichem Ehrgeiz erarbeiteter Theorie äußerst beeindruckt und nimmt sie sehr ernst. So ernst, dass er nach Washington fliegt und die Akte einem Studienfreund, dem FBI-Anwalt Gavin Verheek übergibt. Verheek leitet die Papiere in gutem Glauben weiter, und wenig später landet die Pelikan-Akte (mit Darby Shaws Namen und Adresse) in den Händen von Fletcher Coal, dem Stabschef des Weißen Hauses. Als er sie aufschlägt, bricht dem aalglatten Karrieremenschen der Angstschweiß aus: Besser als alle anderen weiß Coal, dass diese Studentin in New Orleans mit ihren Spekulationen durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen haben könnte.

Darby und Callahan feiern das Ende des Semesters; sie lieben sich, sind ausgelassen. Als Callahan danach ins Auto steigt und den Zündschlüssel umdreht, fliegt er vor den Augen der fassungslosen Darby mit dem Wagen in die Luft. Schlagartig wird Darby klar, was dieser hinterhältige Anschlag bedeutet: Ihre Mutmaßungen über die Morde in Washington treffen zu oder liegen zumindest gefährlich nah bei der Wahrheit. Und: Ihr eigenes Leben ist keinen Pfifferling mehr wert.

Mühsam ihre Panik unterdrückend, bahnt sich die Studentin einen Weg durch das Getümmel auf der Bourbon Street und findet Unterschlupf in einem Hotel. Darby ruft Verheek an, berichtet ihm von Callahans Tod. Verheek ist beunruhigt, er verspricht, nach New Orleans zu fliegen und sich mit Darby zu treffen. Er ahnt nicht, dass der international gesuchte Terrorist Khamel, der nach den Morden an den beiden Richtern sofort außer Landes geflogen war, von seinen Auftraggebern inzwischen erneut auf den Plan gerufen wurde.

Nachdem Verheek sich von seinem Hotelzimmer aus mit Darby am Riverwalk verabredet und ein Erkennungszeichen vereinbart hat, wird er von Khamel, der im Schrank auf ihn lauerte, eiskalt liquidiert. In der Annahme, es mit Verheek zu tun zu haben, gibt sich Darby inmitten der Menschenmenge am Riverwalk dem Killer zu erkennen. Seite an Seite gehen sie, ohne dass Darby sich der Lebensgefahr bewußt wäre, in der sie schwebt. Aber dann ist es nicht sie, sondern Khamel, der tödlich getroffen zusammenbricht und die Passanten in Panik davonrennen läßt.

Darby muß glauben, die Gegenseite habe vor ihren Augen Verheek getötet. Am Ende ihrer physischen und psychischen Kräfte angelangt, beschließt Darby, sich einem Fremden anzuvertrauen: Gray Grantham, dem gewissenhaften, gründlichen Enthüllungsreporter des "Washington Herald". Darby weiß, dass Callahan vor dem Journalisten großen Respekt hatte.

Aus ihrem Versteck ruft sie Grantham an. Zum Beweis ihrer Aufrichtigkeit berichtet sie dem Reporter von den Morden an Callahan und Verheek. Grantham recherchiert, stößt zwar auf den Widerspruch, dass Verheek in seinem Hotel und nicht am Riverwalk ermordet wurde, ist aber bereit, der Anruferin zu glauben und sich mit ihr zu treffen. Was Darby nicht weiß: Bei Grantham hatte sich schon ein anderer Informant gemeldet. Der Anrufer gab sich den Decknamen "Garcia", machte einen verängstigten Eindruck und versprach Grantham sensationelle Enthüllungen in den Mordfällen Rosenberg und Jensen.

Beim zweiten Anruf aus derselben Telefonzelle war es Grantham gelungen, Garcia zu fotografieren. Außerdem ist er sich sicher, dass der Mann bei einer Anwaltskanzlei arbeitet. Aber kurz vor dem Zeitpunkt, da er sich mit Grantham treffen will, bricht Garcia den Kontakt ab.

In einem New Yorker Hotel unterrichtet Darby den Reporter haarklein über den Inhalt der "Pelikan-Akte": Die Querverbindung zwischen Rosenberg und Jensen war deren Einsatz für den Umweltschutz. Entsprechend vorhersehbar war eine anstehende Entscheidung in einem Fall, in dem es um die Freigabe des Vogelschutzgebietes im Mississippi-Delta für den Bau einer riesigen Ölraffinerie gegangen wäre. Der entscheidende Punkt dabei: Der Inhaber des Ölkonzerns, Victor Mattiece, hat den amtierenden Präsidenten der USA bei dessen letztem Wahlkampf mit mehreren Millionen Dollar unterstützt. Die Regierung hat also allen Grund, Mattiece aus dem Fall herauszuhalten. Und in der Tat hat der Präsident auf Coals Anraten dem FBI bereits Anweisungen gegeben, die Pelikan-Akte zu ignorieren.

Grantham kann Darby überreden, ihn nach Washington zu begleiten. Gemeinsam finden sie heraus, dass sich hinter dem Decknamen Garcia der verstorbene, d. h. ebenfalls ermordete, Curtis Morgan verbarg, Angestellter der Anwaltsfirma White & Blazevich. Von Morgans Witwe erhalten sie den Schlüssel zu einem Schließfach - und darin finden sie endlich den so dringend gesuchten Beweis für Darbys Theorie.

Aber noch sind die Killer dem unerschrockenen Reporter und der cleveren Studentin auf der Spur, noch wird der Präsident von Coal und dessen Leuten beschützt, abgeschirmt und unter Druck gesetzt. Wird es Darby Shaw und Gray Grantham gelingen, die Mörder zu enttarnen und ihr Leben zu retten? Was wissen FBI und CIA? Und wer ist die dritte Partei, die Darby am Riverwalk das Leben rettete?

Am Ende, wenn alles überstanden ist, wird Darby untertauchen, und Gray Grantham muß sich fragen lassen, ob Miss Darby Shaw nicht eine Erfindung ist, ob diese Studentin, die ganz allein einen Mordfall aufdeckte und damit das Weiße Haus in Verlegenheit brachte, nicht einfach zu schön sei, um wahr zu sein. Und Grantham wird mit kryptischem Lächeln antworten: "Sie ist fast zu schön, um wahr zu sein!"

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Dirk Jasper FilmLexikon

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