Kinder des Olymp

Produktionsnotizen

Gedreht wurde "Kinder des Olymp" von 1943 bis 1945 in der Illegalität während des 2. Weltkrieges im besetzten Frankreich. In der Zeit war die Produktion von Filmen schwierig. Es gab kaum Material für Bühnenbilder, Kostüme. Knapp war auch das Filmmaterial und der Strom.

Auf der Suche nach einer neuen Filmidee schlug der Schauspieler Jean-Louis Barrault 1942 Regisseur Marcel Carné und Drehbuchautor Jacques Prévert vor, einen Film über Frankreichs größten Pantomimen, Jean-Gaspard Deburau, zu drehen. Dieser war Mitte des 19. Jahrhunderts im Théatre des Funambules ein Star.

Die im August 1943 begonnenen Dreharbeiten wurden wegen der Kriegsereignisse unterbrochen. Die Deutschen verboten dem Produzenten André Paulvé, Filme zu machen.

So übernahm das Pathé Consortium Cinéma die weitere Produktion, die im November 1943 in Paris wieder aufgenommen werden konnten. Ab Februar 1944 durfte auch wieder in Nizza gedreht werden. Die Uraufführung fand am 9. März 1945 im Palais de Chaillot in Paris statt.

Der Film spiegelt die Facetten der Pariser Theaterwelt in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wider. Als "Olymp" bzw. "paradis" wurden damals die obersten, billigen Ränge im Theater bezeichnet.

Die Lieben, Schicksale, Hoffnungen und Enttäuschungen der Hauptfiguren (Garance, Baptiste, Frédéric, Lacenaire, Graf de Monteray, Nathalie) sind miteinander verknüpft. Alle Männer verhalten sich Garance gegenüber auf typische Art und Weise.

Die vielschichtige Handlung folgt den Hauptpersonen. Sie sind voneinander abhängig. Ihr Schicksal ist fremdbestimmt. Dreh- und Angelpunkt und zugleich Kontrast der Handlung ist das Theater "Funambules".

Garance und Baptiste sind moderne Figuren. Sie ist eine unabhängige Powerfrau, sich ihrer Macht über Männer bewußt. Er ist ein "schwacher", verträumter, fast femininer Mann mit edlen Ansichten. Eine Frau und vier Männer, ein Mann und zwei Frauen - alle verschiedene Charaktäre. Trotz ihrer Gefühle bleiben sie einsam.

"Kinder des Olymp" ist eines der schönsten und reifsten Werke französischer Filmkunst. Zwar 1945 uraufgeführt, haftet ihm nichts Verstaubtes an. Vielmehr ist er in Form und Inhalt modern. Marcel Carnés Liebesgeschichte rührte und rührt seine Zuschauer zu Tränen, hat er doch noch heute seine Einzigartigkeit bewahrt.

Der Film gilt als wichtigster Vertreter des poetischen Realismus in Frankreich und ist ein einzigartiges Kunstwerk. Viele nennen "Kinder des Olymp" den besten Liebesfilm aller Zeiten.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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