Das Verhör

• Inhalt • Darsteller & Stab • Filmkritiken • Hintergrund •

Titel Deutschland: Das Verhör
Titel Frankreich: Garde á vue
Genre: Thriller
Farbe, Frankreich, 1981

Kino Frankreich: -
Kino Deutschland: 18. Februar 1982
Laufzeit Kino: 88 Minuten, FSK 12

DVD Deutschland: 7. Januar 2002
Video Deutschland: ja
Laufzeit DVD/Video: 84 Minuten



Inhalt Silvesternacht in einer kleinen französischen Stadt am Meer. Auf dem Polizeipräsidium herrscht keine Feierstimmung, denn es gilt, die grausamen Sexualmorde an zwei achtjährigen Mädchen aufzuklären. Inspektor Gallien hat seinen persönlichen Hauptverdächtigen, den gutsituierten, angesehenen Notar Jerome Martinaud, unter dem Vorwand einer Zeugenaussage aufs Revier bestellt; mit dem Ziel, den Notar noch in dieser Nacht der beiden Morde zu überführen.

Die beiden Männer sind ebenbürtige Gegner: Martinaud in seiner Selbstherrlichkeit zunächst zynisch und sarkastisch, Gallien ganz der routinierte, mit allen Wassern gewaschene "Bulle". Bereits nach wenigen Minuten bekommen die aufgesetzten Masken der beiden Kontrahenten in den stundenlangen Verhören jedoch die ersten Risse.

Dem Polizisten scheint die Aufklärung der Verbrechen ein persönliches Anliegen zu sein, das er mit Besessenheit verfolgt. Martinaud verliert angesichts des bohrenden Interesses an seinem Privatleben seine Souveränität und schlüpft langsam in die Rolle eines Klienten, der den Inspektor, als wäre er eine Art Psychoanalytiker, an die Grauzonen seines bürgerlichen Scheindaseins heranführt.

Bei dem subtilen Kampf um Wahrheits- und Schuldfindung zieht der beschuldigte Martinaud letztendlich den kürzeren. Die Spannung um die zu klärende Schuldfrage und den Ausgang des Verhörs erreicht ihren Höhepunkt, als Martinauds junge und äußerst attraktive Frau Chantal auftaucht und ihren Mann belastet.

Martinauds Schuld liegt für den Inspektor klar auf der Hand, und der Notar legt prompt ein Schuldgeständnis ab. Doch dann tritt plötzlich eine unerwartete Wende ein, die die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse wieder in Frage stellt, da es wohl einen anderen Täter gibt ...


Darsteller & Stab Darsteller: Lino Ventura (Inspektor Antoine Gallie), Romy Schneider (Chantal Martinaud), Michel Serrault (Notar Jerome Martinaud), Guy Marchand (Inspektor Marcel Bermond), Elsa Lunghini (Camille), Jean Claude Penchenat (Hauptkommissar)

Stab:Regie: Claude Miller • Produzenten: Georges Dancigers, Alexandre Mnouchkine für Les Filma Ariane / TF1 • Drehbuch: Claude Miller, Jean Herman, Michel Audiard • Vorlage: Roman "Brain Wash" von John Wainwright • Filmmusik: Georges Delerue • Kamera: Bruno Nuytten • Spezialeffekte: - • Ausstattung: - • Schnitt: Albert Jurgenson • Kostüme: - • Make Up: - • Ton: - • Ton(effekt)schnitt: - • Stunts: - •


Filmkritiken Dirk Jasper FilmLexikon: Als Kriminalfilm - in der Art eines Gerichtsfilms - inszeniert, umfasst der zeitliche Rahmen des Films eine einzige Nacht, und die Handlung beschränkt sich auf einen einzigen Ort: das Verhörzimmer des Polizeipräsidiums. Innerhalb dieser klaustrophobischen Enge halten der schauspielerisch exzellent umgesetzte Zweikampf und die Rede-Duelle den Zuschauer in Atem. Die Spannung entsteht aus dem präzisen Minenspiel der beiden Hauptakteure, die sich gegenseitig auflauern, um auch nur die kleinste Schwachstelle des Gegners für sich zu nutzen. Lino Ventura und Michel Serrault gestalten differenzierte und nuancenreiche Charaktere, die es dem Zuschauer nicht leicht machen, sich gefühlsmäßig auf eine der beiden Seiten zu schlagen.

Lexikon des internationalen Films: Spannendes Kammerspiel um Identität und Differenz von juristischer und moralischer Schuld, das seinen Rang vor allem aus dem glänzenden darstellerischen Vermögen der Protagonisten gewinnt.


Hintergrund Insgesamt erhielt der Film für 1981 acht César-Nominierungen, unter anderem für den "besten Film" und die "beste Regie"

Der dritte Spielfilm von Claude Miller war eine Auftragsarbeit nach dem Roman Brain Wash von John Wainwright, die der Regisseur aber auf sehr persönliche Weise umzusetzen vermochte. Claude Miller, der in seinen Lehrjahren schon bei namhaften Vorbildern wie François Truffaut und Jean-Luc Godard assistierte, landete mit Das Verhör in den französischen Kinos einen Riesenerfolg.

Michel Serrault, einer der wandlungsfähigsten französischen Schauspieler überhaupt, bekannt geworden durch seine Bühnenrolle des Transvestiten-Stars Zaza Napoli in Ein Käfig voller Narren, wurde für seine Rolle des Notars Martinaud mit dem César für den "Besten Schauspieler" geehrt.

Lino Ventura, von seiner Biographie her eher ein Mann der Tat, versuchte sich in vielen Berufen, war Laufbursche, Mechanikerlehrling, Handelsvertreter, bis er es 1950 als Berufsringer sogar zum Europameister brachte. Von Regisseur Jacques Becker wurde er 1953 für seinen Film Wenn es Nacht wird in Paris entdeckt. Von da an war seine Filmkarriere nicht mehr zu stoppen. Lino Ventura starb am 22. Oktober 1987.

DVD-Cover
Szenenfoto
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