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"Der Junge und der Bär brauchen einander wirklich", führen die Autoren aus. "Der Bär hatte nie einen eigenen Sohn und sieht in Mogli jemanden, den er die Dinge lehren kann, die er für richtig hält. Jetzt hatte er plötzlich einen Freund. Und was für einen - verantwortungslos, impulsiv und unbekümmert. Die Zuschauer wussten, dass die Sorge des Panthers um Moglis Überleben richtig war, aber sie sahen natürlich auch die Anziehungskraft, die der Bär auf den Jungen ausübte. Alle Figuren hatten eine eigenständige Dynamik; sie waren unterhaltsam und provokativ." In der Liedsequenz "Probier's mal mit Gemütlichkeit", in der Balu seinem bereitwilligen Schüler Mogli seine Lebensphilosophie erklärt, werden die Bande zwischen den beiden geknüpft. Als das Menschenkind den Bären nachzuahmen beginnt, wird dem Zuschauer klar, dass sich Balu geschmeichelt fühlt und das Duo auf der gleichen Wellenlänge schwimmt.
Eine weitere Figur, bei deren Entwurf die Animatoren auf Schwierigkeiten stießen, war die Schlange Kaa. Laut Johnston und Thomas hatten nur wenige im Bereich des Zeichentrick bislang versucht, eine Schlange zu gestalten: "Das Problem liegt auf der Hand: Wie sollte man eine Kreatur agieren lassen, die keine Schultern, Arme und Hände besitzt." Die große Frage, die sich den Animatoren stellte, war allerdings eine andere: "Was ist eigentlich das Amüsante an einer Schlange?" Eine bedeutsame Frage, wo doch viele Menschen eine unüberwindbare Angst vor diesen Reptilien haben. Der namhafte Disney-Zeichner Bill Peet lieferte einige Antworten in seinen Skizzen für die Geschichte des Films. Er zeigte Kaa mit einem ausgeprägten Kopf, der mehr war, als nur eine Verlängerung des Körpers in einem langen Schlauch.
Um weiteren Ekel der Figur gegenüber abzubauen und ihr mehr Komik zu verleihen, gaben die Animatoren Kaa eine große, stumpfe Nase. Künstlerische Freiheiten nahm man sich auch bei der Gestaltung des Mundes, so dass die Sprache überzeugend wirken konnte. Übertriebene Pingpongball-Augen wurden hinzugefügt, um den Knopfaugen-Effekt zu beseitigen. Eine lebhafte Diskussion entbrannte unter den Animatoren über die Hinzunahme von Augenlidern. Die Fraktion der Befürworter behielt die Oberhand. Augenlider erlaubten eine größere Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten.
Wie schon bei Balu war auch bei der Gestaltung von Kaas Charakter ein wesentlicher Faktor die Besetzung mit einer passenden Stimme. In diesem Fall gab Sterling Holloway den Zeichnern genau das, wonach sie gesucht hatten: "Plötzlich war Kaa zum Leben erwacht! Wir konnten ihn klar vor uns sehen - und er war komisch. Er war bedrohlich genug, aber gleichzeitig auch eine lebendige, atmende und unterhaltsame Kreatur. Diesen Kerl konnten wir zeichnen! Jeder begann sofort Entwürfe zu machen, die zu der Stimme passten." Am Ende mochte Walt Disney die Schlange so gern, dass er darauf bestand, sie später noch einmal in der Geschichte auftauchen zu lassen.
Für die Rolle des Filmbösewichts Shir Khan wollte Walt etwas anderes als eines der typischen lechzenden, knurrenden Klischees. Ken Anderson, der erfahrene Autor und Art Director, schuf die einfallsreichen Zeichnungen, die schon im Wesentlichen einen Bösewicht zeigen, der aristokratisch und königlich zugleich, aber auch eingebildet bis zur Arroganz ist. Die Stimme von George Sanders gab der Figur die richtige Mischung aus Hochmut und Intelligenz, nach der man gesucht hatte. Der legendäre Disney-Künstler Milt Kahl, der von vielen als der größte Könner, der jemals im Studio gearbeitet hat, bezeichnet wird, erweckte Shir Khan - ohne Frage der König des Dschungels - atemberaubend zum Leben.
Eine weitere großartige Figur im Film ist der Affenkönig King Louie, dessen Sprechpart von dem berühmten Jazzmusiker Louis Prima (im deutschen von Klaus Havenstein) übernommen wurde. Prima und seine Band "Sam Butera and the Whitnesses" flogen aus Lake Tahoe ein, um für die Zeichner vorzuspielen. Ihre musikalische Parade durch das Studio wurde gefilmt und diente den Zeichnern später als Inspiration für die "Ich wär so gern wie Du"-Nummer. Die Künstler machten buchstäblich Affen aus der Band, indem sie sie für den Film karikierten. Der leitende Animator Ollie Johnston erinnert sich, dass Prima so sehr von dem Charakter, dem er seine Stimme lieh, angetan war, dass er später mehrmals im Studio anrief und um die Ausweitung seiner Rolle bat. "Lasst mich mit dem Tiger kämpfen," bettelte Prima, "ich würde euch eine tolle Todesszene hinlegen."
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