Der Zauberer von Oz

Produktionsnotizen

Was auf den ersten Blick als das perfekte Technicolor-Dream-Märchen wirkt, war während der Dreharbeiten Chaos, harte Arbeit und das Patchwork-Ergebnis vieler Regisseure und Drehbuchschreiber. Entstehungsgeschichte 1938 wurde Disneys erfolgreichstes Werk ?Schneewittchen und die sieben Zwerge? auf die Leinwand gebracht. 1939 gedachte der MGM-Che Louis B. Mayer, sich an Disneys Erfolg zu orientieren und die Rechte an Baums Buch ?The wonderful wizard of Oz? für eine Verfilmung zu erwerben.

Da jedoch sein Produktionsleiter Irvin Thalberg ein Jahr zuvor gestorben war, mußte sich Mayer nach einem neuen Produzenten umsehen und fand ihn in Mervyn LeRoy. LeRoy akzeptierte das Angebot und machte sich zusammen mit Arthur Freed daran, Baums Vorlage umzuarbeiten und Schauspieler zu casten.

Dorothy Die erste Wahl für die Rolle der Dorothy fiel auf den damaligen Kinderstar Shirley Temple, die bei der 20th Century Fox unter Vertrag war. Nachdem diese sich aber nicht bereit erklärten, Temple für das Projekt freizustellen, fiel die Wahl auf das andere Nachwuchstalent, die 16-jährige Judy Garland, die bereits seit drei Jahren für MGM arbeitete. Die böse Hexe Gale Sondergaard, Oscargewinnerin, sollte nach LeRoys Auffassung die Rolle der bösen Hexe übernehmen. Viele protestierten, da sie als böse Hexe zu schön sei und letztendlich sagte auch Sondergaard selber ab, da sie sich zu den Zeiten nicht mit der Rolle identifizieren konnte.

Gecastet wurde dann die 36-jährige Margaret Hamilton, die bereits in verschiedenen Charakterrollen für MGM gearbeitet hatte. Als sie hörte, dass sie in der Verfilmung ihres Lieblingskinderbuches mitmachen könne, stellte sich für sie eine Zusage nicht mehr in Frage.

Der Blechholzfäller Als der Part der Vogelscheuche mit Bolger besetzt wurde, sollte Buddy Ebsen, der bereits in ?Broadway-Melodie 1938? mit Judy Garland zusammen aufgetreten war, die Rolle des Blechholzfäller übernehmen. Ihm schien der Rollentausch ? eigentlich war er für die Vogelscheuche vorgesehen - nichts auszumachen.

Allerdings bekam er aufgrund des für seine Maske verwendeten Pulvers Atemprobleme und wurde, als er für Monate krank geschrieben war, kurzerhand von MGM durch Jack Haley ersetzt. Dieser wußte nichts über die stillschweigende Absetzung seines Kollegen und akzeptierte. Sein Outfit wurde dann allerdings nicht mehr mit Pulver, sondern mit einer Paste vollendet.

Der Song Nachdem Harold Arlen die Melodie niedergeschrieben hatte, kam E. Y. Harburg die Idee, Dorothy, die bis dahin ein farbloses Leben auf der Farm in Kansas geführt hatte, von einem farbenfrohen Ort jenseits des Regenbogens träumen zu lassen. So entstand der Text, der den Song so berühmt machte. Im Jahre 2004 wurde das Lied ?Over the Rainbow? vom American Film Institute zum besten Filmsong aller Zeiten gewählt. Das Drehbuch An der Realisierung des Films waren 14 Autoren und fünf Regisseure beteiligt. Der 26 Jahre alte Noel Langley nahm die meisten Änderungen zur Romanvorlage vor: Dorothys Schuhe waren nun nicht mehr silbern, sondern rubinrot, Phantasiefiguren wurden zu den gedungenen Farmarbeitern in Kansas, Oz ist ein Traumland und Dorothy kommt am Ende zu dem Schluß: ?There is no place like home?. Im Gegensatz dazu ist Oz in der Romanvorlage von L. Frank Baum Teil der Welt und Dorothy erwacht am Ende nicht aus einem Traum. Die Regisseure Richard Thorpe hatte die ersten Wochen in seiner Funktion als Regisseur an dem Film gearbeitet, sein Material war LeRoy aber zu wenig kindgerecht. Thorpe wird ersetzt und George Cukor, kurz vor dem Dreh von ?Vom Winde verweht?, bietet seine Unterstützung an. Cukor, der von den bereits gedrehten Szenen wenig begeistert ist, ändert einiges an den Kostümen und vor allem Judy Garlands Erscheinungsbild: Jetzt ist sie nicht mehr ein zurecht gemachtes Mädchen mit blonder Perücke, sondern ein einfaches Kind aus Kansas. Dies sollte später einen der großen Erfolge des Films ausmachen.

Victor Fleming übernahm, als Cukor zu ?Vom Winde verweht? wechselte, seinen Part und schmiß sich mit vollem Elan in die Arbeit. Für ihn war das Projekt Ansporn, eine Phantasiewelt für alle Kinder zu kreieren. Aber auch er war nicht auf Dauer bei dem Projekt dabei. Am Set von ?Vom Winde verweht? gab es große Schwierigkeiten zwischen Cukor und Clark Gable.

Produzent Selznick wollte Fleming die Regie übertragen, da dieser eng mit Gable befreundet war. MGM stimmt der Entscheidung zu und King Vidor übernimmt die Regie bei ?Der Zauberer von Oz?. Vidor, der mit Fleming befreundet war, ließ sich von diesem alle Details erläutern, führte seines Freundes Werk zu einem Ende, wollte aber nicht im Abspann genannt werden.

Die Munchkins Die Dreharbeiten im Munchkinland ließen ein einmaliges Aufgebot von kleinwüchsigen Varietékünstlern in Hollywood herumlaufen. Dies sorgte für allerhand Anekdoten, die noch Jahre später die Erinnerungen an den Dreh bestimmten. Nachdem die einzelnen wichtigen Rollen der Munchkins besetzt worden waren, ging es an die Anfertigung der Kostüme, die aufgrund der speziellen Maße fünf Wochen in Anspruch nahmen. Ebensoviel Energie wurde für die Maske der kleinen Gestalten aufgewendet. Die Spezialeffekte Auch A. Arnold Gillespie, zuständig für die Spezialeffekte, mußte sich für diesen Film vielen Herausforderungen stellen: ein fliegendes Bauernhaus, ein fliegender Kopf, eine schmelzende Hexe, fliegende Affen, Feuerbälle, sprechende Bäume und ein Tornado wollten dargestellt sein. Aber er gab sich nicht so leicht geschlagen und vollbrachte wahre Kunstwerke auf der Leinwand. Die Dreharbeiten Die sieben Monate dauernden Dreharbeiten forderten von allen ein extremes Maß an Energie und Enthusiasmus. Gearbeitet wurde von früh morgens bis spät in die Nacht. Dazu kamen die verschiedenen Kostüme und Masken, die das Traumland Oz erforderte. Vor allem Bolger, Lahr und Haley beschwerten sich über ihr vieles Makeup und ihre Kostüme: Bolger mußte als Vogelscheuche eine Gummimaske tragen, die der Haut das Atmen erschwerte und ihn bei der Studiobeleuchtung extrem schwitzen ließ.

Lahr hatte ein 45 Kilo schweres Löwen-Kostüm zu tragen, was für ihn, der ein sehr nervöser Mensch war und immer an seinen Knöpfen herumnestelte, eine unvorstellbare Einengung bedeutete und Haley mußte immer versuchen, so steif wie ein Zinnmann zu erscheinen.

Aber auch für andere waren die Dreharbeiten eine Tour de Force: Hamilton fiel in der Szene, in der sie als böse Hexe auf der Bühne in einer roten Staubwolke im Boden verschwinden sollte, einfach in den Schacht, da der Fahrstuhl nicht bereit stand. Ein anderes Mal fing ihr Gesicht durch die Schminke, die mit Kupfer versetzt war, Feuer und sie holte sich Verbrennungen zweiten und dritten Grades.

Die Premiere ?Der Zauberer von Oz? wurde vom damaligen Studiosystem nach allen Regeln der Kunst vorbereitet und vermarktet: Schon drei Monate vor Beendigung der Dreharbeiten lief die Publicity-Maschinerie der MGM auf vollen Touren: Während der 50. jährlichen Rosenparade zu Neujahr 1939 konnte die Öffentlichkeit ein riesiges Floß bestaunen, auf dem die Protagonisten des Filmmärchens zu sehen waren.

Judy Garland trat in unendlich vielen Radiosendungen auf, gab Interviews und nahm an unzähligen sonstigen Veranstaltungen teil. Selbst ihr 17. Geburtstag wurde im Beisein des anderen Teenagerstars der damaligen Zeit, Mickey Rooney, zum Medienereignis.

Rooney und Garland erschienen zur Premiere des Films in New Yorks Central Station und mußten von 250 Polizisten vor den Massen in Schutz genommen werden. Vor dem Capitol Filmtheater standen 15.000 Menschen an, um das Musical zu sehen. In den Pausen zwischen den Vorstellungen gaben Garland und Rooney Tanzeinlagen zum Besten.

Und obwohl der Film alle Zuschauerrekorde brach, fuhren MGM mit ihrer bisher teuersten Produktion im ersten Moment Verluste ein. Bis zur Oscarverleihung am 29. Februar 1940, die dem Film gleich drei Auszeichnungen bescherte. Neben den Oscars für Musik und Song erhielt auch Judy Garland einen Spezial-Oscar.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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