Spanien im Frühjahr 1931. Während sich das Land im politischen Umbruch befindet, ist der junge Fahnenflüchtige Fernando auf der Flucht vor der Armee. Er findet Unterschlupf im Haus des alten Malers und Freidenkers Manolo, der weltverdrossen in der Abgeschiedenheit lebt.
Doch Manolos Gastfreundschaft währt vorerst nur bis zum Beginn des Sommers. Dann kommen nämlich Manolos Töchter aus Madrid zu Besuch. Um erotische Komplikationen zu vermeiden, will Manolo seinen Gast recht schnell wieder loswerden. Doch vergebens!
Als Fernando die vier bildhübschen jungen Frauen aus dem Zug steigen sieht, ist es um ihn geschehen. Er ist von Clara, Violeta, Rocio und Luz derart fasziniert, dass er seine Abreise ganz einfach vergißt. Offiziell arbeitet er fortan für die Familie als Koch, doch insgeheim sorgt er nicht nur für kulinarische Genüsse.
So unterschiedlich Manolos Töchter auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie sehnen sich nach erotischer Erfüllung. Der Sommer in Manolos Haus wird für Fernando zur schönsten, aber auch aufregendsten Zeit seines Lebens ...
Filmkritiken
Dirk Jasper FilmLexikon: Der Titel "Belle Epoque" dieser hinreißenden spanischen Erotik-Komödie ist doppeldeutig. Gemeint ist die ereignisreiche Phase im Leben des jungen Fernando, in der er die Liebe entdeckt und eine schmerzhaft-schöne "Erziehung des Herzens" erlebt. Gemeint ist aber auch jene geschichtliche Periode in den 30er Jahren, als Spanien zwischen abgedankter Monarchie und aufkommendem Faschismus eine kurze Zeit der Freiheit und der utopischen Hoffnung erlebte und von vielen alten Moralvorstellungen erleichtert Abschied nahm. "Belle Epoque" verbindet die beiden Aspekte überzeugend zu einem höchst unterhaltsamen, sinnlichen und hintergründig-komischen Bilderbogen voller Nostalgie und Lebensfreude. "Belle Epoque" wurde nicht nur in Spanien zu einem überwältigenden Erfolg. Nachdem der Film den nationalen spanischen Filmpreis in insgesamt neun Kategorien gewonnen hatte, folgte der große internationale Triumph: der Hollywood "Oscar" für den besten fremdsprachigen Film 1993.
Berliner Morgenpost: Das Viermädelhaus verwandelt sich zum Tollhaus der Gefühle, der herzigen wie der komischen Katastrophen, wobei die junge Witwe Clara erotisch ebenso aktiv wird wie die schöne Rocio. Selbst die lesbische Violeta schreitet zum Angriff, nachdem sie sich karnevalistisch als feschen Soldaten und den hübschen Fernando als Kammerkätzchen herausgeputzt hat. Und auch für Luz, die Jüngste, die Jungfrau, wird noch die Stunde schlagen ... Spaniens Star Fernando Fernán Gómez, der kulleräugige Jorge Sanz und ein bezauberndes Damenquartett holten sich einen Riesenerfolg.
Der Spiegel 50/1993: Als dieser spanische Film auf der vergangenen Berlinale lief, reagierte die deutsche Kritik ebenso unbedarft wie ungnädig: "überwältigend belanglos". Die Spanier dagegen rühmten das leichthändige Werk, das nun in deutsche Kinos kommt, als "intelligent und schlau": Sie verstanden, was der hintersinnige Regisseur servieren wollte: eine amüsante Parodie auf das alte Spanien, auf König und Krieger, Kirche und Keutschheit.
Rhein-Zeitung 1996-08-22: Heiteres Erotik-Verwirrspiel von Fernando Trueba.
Treffpunkt Kino: Frivole, ausgelassene und erotische Komödie.