Gerhard Heeke über Bad Girls

Tja, ich hab's ja schon häufiger gesagt, der Western hat wieder Hochkonjunktur im Kino. Leider nehmen das viele Regisseure zu wörtlich und versuchen sich auf Biegen und Brechen auch an dieser Materie. So auch Jonathan Kaplan. Er sammelte vier wunderhübsche Frauen (Madeleine Stowe, Mary Stuart Masterson, Andie MacDowell und Drew Barrymore) um sich, um einen "Frauenwestern" zu drehen. Leider ist "Bad Girls" nicht so gut, wie die Frauen schön sind. Doch immer schön der Reihe nach. Zunächst einmal die Story, sofern man überhaupt davon reden kann, ich sollte besser sagen das Handlungsgerüst:

Die vier Frauen sind Huren in dem Kaff Echo City. Als eine von Ihnen einen Freier erschießt, der eine Kollegin belästigt hat, soll sie gehängt werden. Die anderen Drei befreien sie. Auf der Flucht vor den Pinkerton-Detektiven schmieden sie den Plan in Oregon ein neues Leben anzufangen. Dazu wollen sie aber zunächst, das Geld abholen, dass sie sich angespart haben. Auf der Bank treffen sie auf den Banditen Kid Jarrett. Der ihnen, im Rahmen eines regulären Banküberfalls, das Geld direkt wieder abnimmt. Dieses Geld wollen sie sich natürlich wiederholen. Hilfe erhalten sie dabei von einem jungen Mann.

Die Story zieht sich elendlich über die knapp 99 Minuten. Nach einem einigermaßen flotten und lustigen Beginn, wandelt sich der Film zu einem recht brutalen "Italo-Western" um sich ganz am Schluß in irgendeinem undefinierbaren Schmu zu verlieren. Der Regisseur wußte wohl nicht so genau was er da eigentlich drehen wollte. Einen Frauenwestern hat er auf jeden Fall nicht abgeliefert. Eher handelt sich um einen Männerwestern, wo die Hauptrollen von Frauen gespielt werden. Denn der Zuschauer erfährt nichts von der Situation der Frauen zu dieser Zeit noch weist der Film emanzipatorische Elemente auf. Eher im Gegenteil, so hübsch, so adrett gekleidet und so schick frisiert kann niemand in einer derartigen Situation sein. Da wird die Frau wieder als Objekt einem männlichen Publikum vorgeführt.

Zudem weist die Story keinen roten Faden auf, den der Zuschauer aufnehmen und folgen kann. Es paßt alles nicht zusammen. Als ob das Drehbuch nacheinander von verschiedenen Autoren zusammengeflickt wurde und jeder seine Ideen einbringen wollte. Die männlichen Nebenrollen dienen alle durchweg nur als Stichwortgeber (wenn überhaupt). Selbst der Bösewicht kann die Handlung nicht entscheidend vorantreiben.

Ein Wort noch zu der Filmmusik: Nervtötend!

Fazit: Vergeßt den Film. Wer kennt den schönsten Biergarten?

Dirk Jasper FilmLexikon
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