Gerhard Heeke über Mad City

"Mad City" ist diesmal nicht eine der amerikanischen Metropolen wie New York, Los Angeles oder San Francisco. Aus der kalifornischen Provinzstadt Madeline wird innerhalb weniger Stunden ein wahrer Hexenkessel. Dabei fängt alles recht harmlos an.

Vor einigen Jahren ist der Starreporter Max Brackett (Dustin Hoffman) vor laufender Kamera ausgerastet. Als er gedrängt wird bei einem Bericht über einen Flugzeugabsturz nicht nur die Szene beschreiben sondern auch das Leiden der Opfer vor laufender Kamera zu zeigen, weigert er sich. Dies hatte seine fristlose Kündigung zur Folge. Nun arbeitet er in Madeline bei einem kleinen Lokalsender. Aber der Bericht über die Sparmaßnahmen im örtlichen Museum verwandelt sich unversehens in eine neue Chance für Max wieder ganz oben mitzumachen.

Und genau diese Chance liefert ihm der Ex-Museumswächter Sam Baily (John Travolta). Sam wollte hoch hinaus - Pilot bei der Airforce zu werden war sein Lebenstraum. Da sein Highschool Abschluß dafür nicht ausreichte, bleibt es bei einem Traum. Er kehrt in seine Heimatstadt zurück, heiratet und tritt die Stelle beim Museum an. Sam verkraftet es nicht, dass gerade seine Stelle eingespart wird. Er steht mit seiner Familie vor dem Nichts. Deshalb versucht er nochmal mit der Museumschefin Mrs. Banks (Blythe Danner) zu reden. Diese will ihm aber gar nicht anhören. Nichtsahnend, dass der Reporter Max Brackett sich immer noch in einem Nebenraum befindet, zieht Sam eine Waffe. Sam will Mrs. Banks zwingen ihm zuzuhören. Aber die Situation eskaliert. Es löst sich ein Schuß und der andere Wachmann wird verletzt.

Nun nimmt Sam die Museumsleiterin und eine zufällig anwesende Kindergruppe als Geiseln. Max ist es zwischenzeitlich gelungen mit der Redaktion zu erreichen und gibt telefonisch einen Live-Bericht über die Geiselnahme ab. Kurz darauf wird er von Sam entdeckt. Zunächst sieht Max nur die Story. So macht er sich auch gar nicht die Mühe das Gewehr an sich zu nehmen, obwohl er dazu mehrfach Gelegenheit hätte. Ja, berät Sam sogar wie er sich gegenüber der Polizei, dem FBI und den Medien verhalten soll. Dann aber schlägt er sich immer mehr auf Sams Seite. In der richtigen Welt hingegen entwickelt die Geschichte ein Eigenleben. Immer mehr Fernsehsender schalten sich zu und berichten live. Hunderte von Reportern und Fernsehteams eilen an den Ort der Geschehens. Dabei geht das eigentliche Anliegen von Sam immer mehr verloren. Die Medien machen ihre eigene Geschichte aus dem Vorfall.

Der Regisseur Costa Gravas ("Z", "Missing") zeigt gekonnt und sehr unterhaltsam die Mißstände des modernen Sensationsjournalismus auf. Mich hat der Film mehrfach an das Geiseldrama von Gladbeck erinnert, bei dem damals die deutschen Medien weit über das Ziel hinausgeschossen sind. Im Vergleich zu "Die Unbestechlichen" ("All the Presidents Men") von Alan J. Pakula, auch mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle als Reporter, wird der Wandel in der Welt der Medien besonders deutlich. Der Schauspieler Dustin Hoffman versucht auch genau dies in die Figur des Max Brackett hineinzulegen. In seiner Vorbereitungsphase sah sich Hoffman stundenlang Aufzeichnungen von diversen TV-Journalisten an. Aber ein Satz prägte seine Vorbereitungen besonders. In einer Ausstellung über modernen Fotojournalismus sah Hoffman das bekannte Bild eines Mönches, der sich zur Zeit des Vietnamskrieges selbst in der Öffentlichkeit verbrannte. Auf die Frage von Mr.Hoffman, warum der Fotograf das Feuer damals nicht löschte antwortete dieser: "Der Fotograf löscht nie das Feuer - er macht nur Bilder".

Aber Dustin Hoffman zeigt auch die menschliche Seite von Brackett. Sein Mitgefühl für die Situation von Sam. Und gerade diese Seite wird im Laufe des Films immer stärker gefordert.

John Travolta als Sam Baily, hatte die schwierige Aufgabe einen Menschen darzustellen, der zwar nicht gerade ein Idiot ist, aber auch nicht besonders helle. Sam begreift nur sehr langsam was um ihm herum passiert. Er sieht nur, dass er immer mehr in eine Situation hineingezogen wird, die er ursprünglich gar nicht wollte. Er fühlt sich zunehmend unsicherer und unwohler. Gerade dies wird von Mr. Travolta sehr gut übermittelt. Allerdings hat man ihn in diesen Rollen nun auch schon des öfteren gesehen.

Es ist interessant den beiden zuzusehen, wie sie von einer Lawine überrollt werden, die sie zwar losgetreten haben, aber so überhaupt nicht gewollt haben und wie sie immer mehr fremdbestimmt werden.

Fazit: Unterhaltsamer, spannender, lustiger Film inkl. Medienschelte.

7 von 10 rasenden Reportern

Dirk Jasper FilmLexikon
© © 1999 Next Step Mediendienste GmbH