Ernst Corinth über Vernetzt - Johnny Mnemonic

Wenn die Synapsen (oder waren es die Synopsen?) tropfen, droht ein Kollaps. Das ist bekannt, und wenn nicht, wär's auch egal. Denn "Vernetzt" gehört zu den Filmen, bei denen man eines auf keinen Fall tun darf - und zwar nach Sinn und Logik fragen. Oder weiß jemand, warum es noch in etwa 30 Jahren notwendig sein sollte, einen Kurier nach Beijing (China) zu schicken, damit er dann von dort mittels Gehirntransplantat eine unvorstellbare Menge an geheimen Daten zurück nach Newark (USA) transportiere?

Nun, solch ein Datentransfer geht schon heute wesentlich einfacher, sicherer, schneller und führt vor allem nicht zum bekannten Tropfen der Synapsen (oder waren es die Synopsen?) - Wie dem auch sei, der gigabytemäßig vollgestopfte Kurier heißt jedenfalls Johnny Mnemonic (Keanu Reeves). Seine "interne Festplatte" ist völlig überlastet, droht gar zu platzen, und hinter ihm her sind böse Schlitzaugen vom Stamme der Japaner, die ihm die Daten samt Kopf rauben möchten. Außerdem gibt's noch einige gelungene Spezialeffekte, eine hübsche Frau (Dina Meyer), einen verrückten Priester (Dolph Lundgren), eine Gruppe Cyberpunks und am Ende in einer Art Chaoszentrale ein feuriges Finale.

Und obwohl Roberto Longos "Vernetzt" dabei ein wenig mit den Modethemen Computer und Internet herumspielt, schaut das ganze Spektakel dann doch nur aus wie ein B-Film aus den frühen fünfziger Jahren. Das verleiht ihm zwar einen gewissen Charme, macht ihn aber auch nicht unbedingt besser.

Dirk Jasper FilmLexikon
© Ernst Corinth © 1999 Next Step Mediendienste GmbH