Rolf Spiess über Schneller als der Tod

Ironische Ballermänner

Von wegen "der Western ist tot"! Mit Sharon Stone als treffsicherer Revolverheldin ist das klassischste aller Filmgenres mit "Schneller als der Tod" um einen vortrefflichen Beitrag reicher. Spannung, Action, traumhafte Einstellungen, und nicht zuletzt eine Ironie, wie man sie bei einem bierernsten Schützenfest Marke "Leben oder Tod" nicht erwarten würde.

Schon die ersten Bilder versprechen Großartiges: ein Goldgräber buddelt im Wüstensand, den herannahenden Reiter bläst er in panischer Angst vom Pferd. Doch irgendwie muß der gierige Eldoradojünger wohl zu zittrig gewesen sein, jedenfalls blinzelt ihn die Sonne unverschämt durch ein Einschußloch im Hut des Fremden an. Schlimmer noch: der Fremde entpuppt sich aus dem Gegenlicht heraus als Frau, die Frau - erraten: ist Sharon Stone, die auch als Co-Produzentin auftritt. Als Ellen ist sie unterwegs in das ausgetrocknete Wüstennest Redemption, wo sie ihren Vater rächen will. Die Gründe dafür erfährt man nach und nach - und wird dabei den Gedanken an Leones Spiel vom Tod nicht los. Das Cowgirl kommt gerade richtig: Herod (Gene Hackman), der tyrannische und selbsternannte Bürgermeister der armseligen Gemeinde hat zum alljährlichen Schießwettbewerb eingeladen, eine Art Mastersturnier für rauchende Colts, an dessen Ende es nur einen Sieger und etliche Tote geben wird.

Die Art und Weise, mit welcher Einbildung sich die zum Teil größenwahnsinnigen Revolverhelden an das Irrsinnsunternehmen heranwagen, wie sich die Duelle von mal zu mal spannender, atemberaubender und unvorhersehbarer gestalten, die Ironie und die überzogene, schon ins comic-hafte gehende Übertreibung, dazu ungewöhnliche Kameraperspektiven, atemberaubende Schnitte zwischen Totale und Großaufnahme - all das macht aus "Schneller als der Tod" einen sehenswerten und unterhaltsamen Streifen. Neben einer sich manchmal inmitten der zwielichtigen Gestalten unwohl fühlenden, aber entschlossenen Sharon Stone und einem hinterlistigen und fiesen Gene Hackman darf man sich auf weitere exzellente Schauspieler freuen: so auf Leonardo DiCaprio (kürzlich als Jim Carroll in den Kinos) und Russell Crowe. Ein echtes High-Noon-Erlebnis.

"Schneller als der Tod" (Originaltitel: The Quick and the Dead), USA 1995, 103 Minuten, von Sam Raimi, mit Sharon Stone, Gene Hackman, Leonardo DiCaprio. In deutschen Filmtheatern ab dem 09.11.1995.

Bewertung: 5 / 5 Punkte

Kurzkritik: Sharon Stone knüpft sich die harten Westernrauhbeine vor. Starke Bilder, verblüffende Action, reichlich Spannung. Klasse!!!

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