Gerhard Heeke über Schneller als der Tod

Schneller als der Tod (The quick and the death) ist auch die Geschichte dieses Films mit Gene Hackmann und Sharon Stone erzählt.

Sharon Stone spielt die Revolerschützin Ellen, deren Vater von dem Bösewicht Herod (Gene Hackman) brutal umgebracht wurde. Herod beutet z. Z. das kleine Nest Redemption (Erlösung) aus. Einmal im Jahr findet ein Wettkampf der besten Revolverhelden statt. Jeder gegen jeden. Gewinner ist derjenige, der bis zum Ende überlebt. Die letzten Jahre hat Herod immer gewonnen ...

Aber diesmal ist alles etwas anders. Ein ehemaliger Kumpan, mittlerweile zum Priester verwandelt, wird von Herod gezwungen am Wettkampf teilzunehmen. Außerdem ist da noch Herods unehelicher Sohn Kid (gespielt von Leonardo DaCaprio), der es satt hat, immer vom Vater aufgezogen zu werden ...

Mit Schneller als der Tod versucht sich Splatter Regisseur Sam Raimi am Western Genre. Leider kann er sich nicht richtig entscheiden: Soll er nun den Western durch den Kakao ziehen? Oder doch einen ernsthaften Western abliefern?

Er hat sich - bewußt oder unbewußt - für beides entschieden und darunter leidet der Film. Die Story ist so gradlinig, dass keine Chance für eine Abweichung besteht. Alles verläuft so wie vom Zuschauer erwartet. Es gibt keine Überraschungen. Der Ausgang der Duelle ist entweder vorhersagbar (die letzten Duellrunden) oder belanglos (die ersten Ballereien). Unsere Heldin gibt sich im übrigen so wortkarg wie seinerzeit Django. Und warum unbedingt diese eine Liebesszene (nein, es gibt absolut nichts zu sehen) in den Film rein mußte, wird auch wohl das Geheimnis von Mr. Raimi bleiben. Zum Fortgang der Handlung trägt sie eigentlich nicht bei. Diese Szene hätte man getrost wegfallen lassen können.

Aber was macht den Film wenigstens so einigermaßen erträglich? Vorausgesetzt man geht mit der entsprechenden Erwartung (oder besser nicht Erwartung) ins Kino, ist die Kameraführung schon recht reizvoll. Sie parodiert mit optischen Mitteln den Italowestern (Zeitlupen, 'fliegende Kamera', Ausschnitte in denen wiederholt nur die Stiefel zu sehen sind). Auch der Ton ist auffällig. Er supportet die Bilder und hat zeitweise seine vollkommenen eigene, losgelöste Wirkung auf den Betrachter, besser gesagt Zuhörer. Dagegen ist die Musik wiederum belanglos.

Der Film wird außerdem durch eine Reiher guter Schauspieler herausgerissen. Mit schlechteren Leuten als Hackman oder DaCaprio würden die Figuren *zu* klischeehaft und blaß wirken. Aber vor allem Leonardo DaCaprio gefällt mir als Kid sehr gut. Ich hoffe er erhält auch mal wieder ein paar bessere Rollenangebote. Aber so einen Glücksgriff wie mit 'Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa' kann man ja nicht immer rechnen. Hackman spielt den Obermotz sehr routiniert - es ist halt nicht sein erster Western. Aber auch Sharon Stone hat mir (erstaunlicherweise) recht gut gefallen.

Diese Punkte können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Schneller als der Tod" nur ein recht mittelmäßiger Film ist.

Fazit: Mäßiger Abklatsch eines Spaghetti-Westerns

4 von 10 Revolverheldinnen

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