Zweiundzwanzig Jahre lang war Dolores Claiborne die Haushälterin der tyrannischen Vera Donovan. Zweiundzwanzig Jahre lang hat sie die in Little Tall Island, Maine, gelegene Villa in Schuß gehalten, die Gemeinheiten und Sticheleien der reichen Witwe über sich ergehen lassen.
Nun ist Vera tot. Ein Treppensturz hat die alte, an den Rollstuhl gefesselte Dame getötet. Dolores spricht von einem Unfall. Für Detective John Mackey, der kurz vor der Pensionierung steht und eine nahezu makellose Aufklärungsrate bei Mordfällen vorzuweisen hat, steht jedoch fest: Dolores hat ihre Arbeitgeberin getötet.
Schon einmal, vor rund zwei Jahrzehnten, hat Mackey gegen die Eigenbrötlerin ermittelt. Damals war ihr gewalttätiger und alkoholkranker Mann Joe St. George bei einem mysteriösen Unfall ums Leben gekommen. Das Gericht sprach Dolores - entgegen Mackeys Überzeugung - von jeglicher Schuld frei. Nun sieht der Ermittlungsbeamte die Chance gekommen, Dolores doch noch ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Unterstützung erhofft er sich von Selena St. George, Dolores' entfremdeter Tochter, die in New York als Journalistin Karriere gemacht hat. Sie hatte nach dem Tod ihres geliebten Vaters der entlegenen Kleinstadt den Rücken gekehrt und den Kontakt zur Mutter völlig abgebrochen. Wieder in Little Tall Island angekommen, sieht sie sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.
Ist Dolores Claiborne eine Doppelmörderin? Hat ihre Mutter etwas zu verbergen? Liegt Detective Mackey mit seinen Anschuldigungen richtig?
Filmkritiken
Filmkritik von Ernst Corinth
Cinema 12/1995: Hackfords clevere Adaption ist weniger ein spannungserzeugender Thriller (der Zuschauer ahnt schnell, wohin der Hase läuft) als ein ausgewogenes, nie ins Vulgärpsychologische abgleitende Porträt zweier interessanter Frauen. Kathy Bates, die nach Rob Reiners "Misery" erneut eine Stephen King-Verfilmung veredelt, hat mit Jennifer Jason Leigh eine der besten Aktricen ihrer Generation an der Seite. Gewohnt uneitel stürzen sich die beiden schmucklosen Außenseiterinnen von Hollywood in eine darstellerisch hinreißende Tour de force, die über intensive 131 Minuten hinweg dem Zuschauer kaum Zeit zum Luftholen läßt. Das ist Schauspielerkino vom Allerfeinsten.
film-dienst 25/1995: Verfilmung eines Stephen-King-Romans, die auf äußerliche Schockeffekte verzichtet und sich ganz auf die Psychologie der Figuren konzentriert. Im Stil großen Unterhaltungskinos inszeniert, ausgezeichnet fotografiert und eindringlich gespielt.
Rhein-Zeitung 06.12.1995: Taylor Hackfords Verfilmung eines Stephen-King-Romans mit Jennifer Jason Leigh in der Hauptrolle geht unter die Haut.