Von Stephen
King-Verfilmungen erwartet man in der Regel offene Gräber,
teuflische Spukgeister oder wenigstens ein paar optisch hübsch
entstellte menschliche Monster. Doch "Dolores" ist die
berühmte Ausnahme. Hier zieht der Horror keinen Schweif hinter
sich her, spuckt weder Schwefel noch Kröten, sondern er
kreucht direkt aus den Beziehungen der Protagonisten hervor, aus
dem was sie erlebt und durchlitten haben und noch
durchleiden.
Schon im Vorspann zeigt uns Regisseur Taylor Hackford die mörderische Tat: Eine alte Frau stürzt die Treppe hinunter, liegt schwer verletzt am Boden. Ihre Haushälterin Dolores läuft panisch in die Küche, sucht nach einer Waffe, greift zum Nudelholz und will jetzt offensichtlich der Frau auch noch den Schädel einschlagen. Doch genau in diesem Augenblick betritt ein Postbote das Haus. dass Dolores ihre Chefin mittels Treppensturz ins Jenseits befördert hat, scheint jedenfalls klar zu sein. Aber der Schein trügt, und der Film nimmt eine überraschende Wendung. Denn plötzlich geht es um die Beziehung zwischen der Haushälterin und ihrer Tochter Selena. Einer erfolgreichen New Yorker Journalistin, die 15 Jahre lang ihre Mutter nicht mehr gesehen hat und nun nach einer anonymen Benachrichtigung in ihr altes verschlafenes Heimatstädtchen zurückkehrt. In geschickt eingebauten Rückblenden beschreibt Hackford den Leidensweg der beiden Frauen, berichtet von Mißhandlungen und sexuellem Mißbrauch und entwirft so ein weibliches Schicksalsszenario, das man eher von der bleiernen Margarethe von Trotta als von einer Stephen King Verfilmung erwartet hätte. Der Film bleibt dennoch gut zwei
Stunden lang spannend und seine melodramatische Schwere
erträglich, weil die Hauptdarstellerinnen, Kathy Bates
(Dolores) und Jennifer Jason Leigh (Selena), einfach hervorragend
aufspielen, jeglichen theatralischen Ausbruch vermeiden und selbst
in schmerzhaftesten Momenten angenehm zurückhaltend agieren.
So werden zwar eingefleischte Stephen King-Fans von "Dolores"
enttäuscht sein, aber wer großes Schauspielerkino mag,
der kommt auf seine Kosten.
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Von Stephen
King-Verfilmungen erwartet man in der Regel offene Gräber,
teuflische Spukgeister oder wenigstens ein paar optisch hübsch
entstellte menschliche Monster. Doch "Dolores" ist die
berühmte Ausnahme. Hier zieht der Horror keinen Schweif hinter
sich her, spuckt weder Schwefel noch Kröten, sondern er
kreucht direkt aus den Beziehungen der Protagonisten hervor, aus
dem was sie erlebt und durchlitten haben und noch
durchleiden.