Rolf Spiess über Ein Schweinchen namens Babe

Pig, Well Done! Vergeßt Free Willy, Lassie und Flipper, tilgt Dojo das Äffchen und Clarence den schielenden Löwen aus eurem Hirn. Mit Babe tritt ein Schwein auf den Plan, dass nicht nur ein lustig wackelndes Ringelschwänzchen sein eigen nennen darf, sondern zudem mehr Charme versprüht als sämtliche tierische Filmhelden zusammen.

Möglich ist das allerdings nur deshalb, weil Babe seine Familie nicht auf den vermeintlichen Weg ins Schweineparadies, sprich: zum Schlachthof, begleiten darf. Auf dem Jahrmarkt erhält Farmer Hoggett das rosa Ferkel als Trophäe, weil er dessen Gewicht exakt vorhergesagt hat. Auf dem in den grünen Bergen Australiens angesiedelten Hof freundet sich Babe schnell mit den anderen Tieren an, wird sogar in die Familie der Schäferhunde aufgenommen, ja avanciert bald selbst zum Hirtengehilfen. Die Vorstellung bringt die Schafe zwar zum Lachen, doch gilt auch hier: wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Das große Sagen haben in dieser Adaption des Kinderbuches "The Sheep-Pig" (deutscher Titel "Schwein gehabt, Knirps") vom Briten Dick King-Smith vor allem die Tiere. Achtzig Prozent der Dialoge finden zwischen Vierbeinern und Hühnervögeln statt. Kapitelartig aufgebaut ist denn auch die Geschichte selber, eine kichernde Mäuseband führt jeweils in den folgenden Abschnitt ein. Damit sich das Getier auch entsprechend dem Drehbuch bewegt, arbeitete ein Tiertrainerstab einen halbes Jahr auf Hochtouren, für gelegentliche Tricks wurden unter anderem auch auf das Know How aus Jim Henson's (Muppet Show) Creature Shop zurückgegriffen. "Ein Schweinchen namens Babe" wettert nicht gegen den Verzehr von Schweinefleisch, sondern ist ein ehrliches Plädoyer für ein freundschaftliches und friedliches Miteinander der verschiedenen Völker, sprich: Tierarten. Eine liebevolle Fabel, bei der sich auch Erwachsene köstlich amüsieren werden. Wenn Farmer Hoggett am Ende Babe mit den Worten "Well done, Pig" tätschelt, ist keinesfalls der Bratgrad eines saftigen Schweinesteaks gemeint.

"Ein Schweinchen namens Babe" (Originaltitel: Babe), Australien 1995, 85 Minuten, von Chris Noonan, mit James Cromwell, Magda Szubanski, das Ferkel Babe und seine Freunde. In deutschen Filmtheatern ab dem 7. Dezember 1995.

Bewertung: 5 / 5 Punkte

Kurzkritik: Putziges Tiermärchen, nicht nur für Wetterhähne, Milchkühe oder Wollschafe. Seitenhiebe in Richtung Speck- und Schinkenliebhaberei sind gewollt und beabsichtigt. Vegetarier werden sich auf die Schenkel klopfen. Der Weihnachtsfilm!!

Dirk Jasper FilmLexikon
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