Carrington

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Filmplakat
Filmplakat Titel Deutschland: Carrington
Titel England: Carrington
Genre: Melodram
Farbe, England, 1994, FSK 12

Kino Deutschland: 1995-12-14
Laufzeit Kino: 124 Minuten
Kinoverleih D: Scotia

Videocover
Videocover Video Deutschland: 1996-06-17
Kaufkassette: 1996-12-02
Laufzeit Video: 117 Minuten
Anbieter: BMG UFA


Szenenfoto 1915. Ein Weltkrieg tobt, doch die Londoner Bohemia von Künstlern und Schriftstellern lebt ihr fröhliches Leben weiter, steht der viktorianischen Gesellschaft mit ihrem Klassenbewußtsein, ihrer wichtigtuerischen Politik und konservativen Kunst ablehnend gegenüber. An einem kalten Wintertag reist der Schriftsteller Lytton Strachey - ein großer, dünner, bärtiger Intellektueller, der seine Homosexualität offen zugibt - zu Virginia Woolfs Schwester Vanessa Bell und ihrem Mann Clive an die Südküste Englands.

Es ist später Nachmittag, als er das elegant möblierte Wohnzimmer betritt. Sein Blick aus dem Fenster in den Garten wird zu einem Moment jenseits von Zeit und Raum, als er sich kreuzt mit dem einer knabenhaft androgynen Person mit kurzem, blondem Haar, in das die untergehende Sonne goldene Lichter zaubert. Die Person mit den großen, kornblumenblauen Augen, die er für einen schönen jungen Mann hält, wird ihm als die wilde junge Malerin Dora Carrington vorgestellt. Sie wandern auf den Cliffs der Südküste entlang und hören den Kanonendonner in Frankreich.

Zu dieser Musik entfaltet sich ein Band tiefer Zuneigung zwischen ihnen, das ihr Leben in den nächsten siebzehn Jahren begleiten wird. Während Lytton mit jungen Männern flirtet, widersteht Carrington all den leidenschaftlichen jungen Liebhabern, die sie verfolgen. Mark Gertler, ein Maler-Kollege, wird durch ihre Ablehnung schier zum Wahnsinn getrieben und versucht, eine Entscheidung zu erzwingen.

Als Lytton wegen Kriegsdienstverweigerung vor einem Tribunal aussagen muß, ist Carringtons Bewunderung für diesen ungewöhnlichen Mann so offensichtlich, dass Gertler seine Hilfe verweigert. Lytton und Carrington verbringen ein Wochenende in Lady Ottoline Morrells Landhaus, wo Carrington - fern jedes Gedanken an Gertler - ihre tiefe Liebe zu Lytton erklärt.

Ottoline und Phillip Morrell versuchen hartnäckig, sie von Gertler zu überzeugen, doch Lytton vereitelt ihre Anstrengungen und nimmt Carrington nach Wales mit, wo sie ihre Zuneigung und das Bett miteinander teilen. Der von Gewissensbissen geplagte Gertler fährt ein Wochenende mit Carrington aufs Land, doch mit viel unerfreulicherem Resultat: Am Ende gesteht sie ihm ihre Liebe zu Lytton. Lytton und Carrington beginnen eine idyllische, leidenschaftliche Beziehung. Sie mieten zusammen eine alte Mühle, wo sie schreiben und malen, und sie überstehen Gertlers wilde Attacken gegen Lytton, als er es herausfindet.

Sie brechen alle Tabus des alten Englands in ihrem Wunsch, frei und aufrichtig zu leben. Auf Carringtons Einladung erscheint ein anderer junger Mann, Ralph Patridge, auf der Szene. Lytton verliebt sich in ihn und droht, ihre Menage à trois zu zerstören, wenn Patridge nach London geht. Carrington kann es nicht ertragen, Lytton zu verlieren und willigt in die Heirat mit Patridge ein. Als sie und Ralph auf Hochzeitsreise nach Venedig gehen, werden sie dort schon von Lytton begrüßt ... 1932 wird Lytton krank und verfällt rasch unter den angstvoll geweiteten Augen Carringtons. Bevor er stirbt, macht er seiner Gefährtin für zwei Jahrzehnte noch eine Liebeserklärung.


SzenenfotoDarsteller: Emma Thompson (Dora Carrington), Jonathyn Pryce (Lytton Strachey), Steven Waddington (Ralph Patridge), Samuel West (Gerald Brenan), Rufus Sewell (Mark Gertler), Penelope Wilton (Lady Ottoline Morrell), Janet McTeer (Vanessa Bell), Peter Blythe (Phillip Morrell), Jeremy Northam (Beacus Penrose), Alex Kingston (Frances Patridge), Sebastian Harcombe (Roger Senhouse)

Regie: Christopher Hampton

Stab: • Produzenten: Roland Shedlo, John McGrath für PolyGram Filmed Entertainment • Drehbuch: Christopher Hampton • Vorlage: Buch "Lytton Strachey" von Michael Holroyd • Filmmusik: Michael Nyman • Kamera: Denis Lenoir • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Caroline Amies • Schnitt: George Akers • Kostüme: Penny Rose • Make Up: Chrissie Beveridge • Ton: Peter Lindsay • Toneffektschnitt: - • Stunts: - •


SzenenfotoFilmkritiken

Filmkritik von Rolf Spiess

Neue Zürcher Zeitung: Die bewährte Emma Thompson und der grandiose Jonathyn Pryce spielen preiswürdige Hauptrollen in diesem unprätentiös schönen Film.

FAZ: Genau siebzehn Jahre dauerte es, bis Hampton sein Drehbuch, das sich in den Fakten dieser authentischen Beziehung hauptsächlich auf Michael Holroyds Biographie "Lytton Strachey" stützt, endlich zum Film gediehen sah. Das Warten hat sich unbedingt gelohnt. Hampton hat zwei erstklassige Darsteller verpflichtet, die wohl nicht übersehen werden dürften, wenn die entsprechenden Palmen zu vergeben sind. (...) Die Intensität dieser außerordentlichen Liebe ist mit jeder Einstellung unmittelbar nachzuerleben, weil Christopher Hampton sein Hauptaugenmerk nicht auf das zeitgerechte Ambiente und Dekor richtete, sondern auf das Verhalten der Charaktere und deren Mut, aus vorgegebenen Bahnen auszubrechen, ohne sich permanent auf ihr Künstlertum berufen zu müssen.

Kieler Nachrichten: Die brillanten Schauspielerleistungen und geschliffenen Dialoge in dem Film um die verrückte Liebe der unkonventionellen Malerin Dora Carrington und des homosexuellen Dichters Lytton Strachey kam auch in der Hauptstadt gut an.

film-dienst: Ein sympathisch unprätentiöses Regiedebüt, das sich auf das Innenleben seiner exzellent gespielten Figuren konzentriert.

Kieler Nachrichten: Brillante Schauspielerleistungen und geschliffene Dialoge.

Cinema: Schauspielerkino de Luxe: eine unkonventionelle Liebe der Boheme.

Cinema 12/1995: Schauspielerkino de Luxe.

Bild: Faszinierendes Regie-Debüt.


SzenenfotoBemerkungen

Cannes 1995: Preis der Jury für "Carrington"
Cannes 1995: Preis als bester Darsteller für Jonathan Pryce

Carrington wurde an 39 verschiedenen Schauplätzen gedreht. Kino-Erstlingswerk des Theaterregisseurs Christopher Hampton.

Dirk Jasper FilmLexikon
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