Zwischen Stühlen und
Gefühlen
Einen zeitlich langen Weg hat dieser
Film bereits hinter sich: 1976 begann Regisseur Christopher Hampton
(Drehbuch fuer "Gefährliche Liebschaften") mit dem Skript,
danach wanderte das Dossier von Schublade zu Schublade. Nun kommt
die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der Malerin Dora
Carrington und dem um einige Jahre älteren Literaten Lytton
Stracheys in unsere Kinos. An der Qualität oder einem
langweiligen Inhalt hat das "Schläferstuendchen" jedoch nicht
gelegen. Personalwechsel beim Auftraggeber, Lizenzverfall beim
Fernsehsender, Finanzprobleme - Stationen eines ambitionierten
Filmkunstprojektes. Und dies, obwohl schon sehr früh Zusagen
von Emma Thompson und Jonathan Pryce (er erhielt in Cannes für
seine Rolle den Preis des besten Darstellers) vorlagen.
Ursprünglich war Mike Newell als Regisseur vorgesehen, doch
mit seinem Erfolg von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" reizten
die neuen Hollywoodangebote mehr. Also ging Christopher Hampton
selber ans Werk, die Begegnung der beiden poetisch veranlagten
Künstlerfiguren umzusetzen. "Carrington" begeistert vor allem
durch die Ungewöhnlichkeit seiner Zeit und die
traumwandlerisch guten Schaupielerleistungen.
Bei der ersten Begegnung mit Dora Carrington (Emma Thompson) hält Lytton Strachey (Jonathan Pryce) die junge, burschikose Malerin mit dem kurzen, blonden Haar noch für einen fußballspielenden jungen Mann. Vielleicht wurde schon durch diesen Irrtum der Grundstein für die tiefe Zuneigung der beiden zerbrechlichen Personen zueinander gelegt: Lytton bekannte sich nämlich schon damals, in den Jahren während des Ersten Weltkriegs, zu seiner Homosexualität. 17 Jahre werden die beiden Intellektuellen mehr als nur Freunde sein. Ihr Leben ist bestimmt von Leidenschaft und Verzicht, von Verlangen und Entbehrung. Zusammen mit Lytton verbringt Carrington die glücklichsten Jahre ihres Lebens, und dies, obwohl sie immer wieder Zuflucht bei anderen Männern sucht. Die wiederum verdrehen dem philosphierenden Lytton den Kopf: eine Menage-a-trois ist häufig das Ergebnis. Egal ob England oder Venedig, "Carrington" arbeitet mit feinfühliger Ader den Kampf der Gefühle seiner Figuren heraus. Im Grunde war ihr gemeinsames Leben mehr als nur eine platonische Freundschaft: ohne ihn wollte auch sie nicht mehr leben. Die Musik stammt übrigens vom "Das Piano"-Komponisten Michael Nyman. "Carrington", England 1995, 124 Minuten, von Christopher Hampton, mit Emma Thompson, Jonathan Pryce. In deutschen Filmtheatern ab dem 14.12.1995. Bewertung: 4 / 5 Punkte
|

Zwischen Stühlen und
Gefühlen
Einen zeitlich langen Weg hat dieser
Film bereits hinter sich: 1976 begann Regisseur Christopher Hampton
(Drehbuch fuer "Gefährliche Liebschaften") mit dem Skript,
danach wanderte das Dossier von Schublade zu Schublade. Nun kommt
die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der Malerin Dora
Carrington und dem um einige Jahre älteren Literaten Lytton
Stracheys in unsere Kinos. An der Qualität oder einem
langweiligen Inhalt hat das "Schläferstuendchen" jedoch nicht
gelegen. Personalwechsel beim Auftraggeber, Lizenzverfall beim
Fernsehsender, Finanzprobleme - Stationen eines ambitionierten
Filmkunstprojektes. Und dies, obwohl schon sehr früh Zusagen
von Emma Thompson und Jonathan Pryce (er erhielt in Cannes für
seine Rolle den Preis des besten Darstellers) vorlagen.
Ursprünglich war Mike Newell als Regisseur vorgesehen, doch
mit seinem Erfolg von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" reizten
die neuen Hollywoodangebote mehr. Also ging Christopher Hampton
selber ans Werk, die Begegnung der beiden poetisch veranlagten
Künstlerfiguren umzusetzen. "Carrington" begeistert vor allem
durch die Ungewöhnlichkeit seiner Zeit und die
traumwandlerisch guten Schaupielerleistungen.