"Blue In The Face" erzählt keine eigentliche Geschichte - es ist ein Sammelsurium von Stories, Impressionen und Monologen über Brooklyn und seine Bewohner. Da ist vor allem Auggie Wren, Pächter eines kleinen Tabakladens, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.
Der fängt zum Beispiel einen minderjährigen Handtaschendieb und läßt ihn - weil sich die Bestohlene weigert, ihn anzuzeigen - wieder laufen. Und zwar mit seiner Beute. Bei Auggie weint sich auch die mollige Nachbarin aus, weil ihr Mann nie mit ihr nach Vegas fährt.
Für einen kurzen Augenblick ist Auggie versucht, mit ihr loszudüsen - doch das würde ihm seine stets leichtgeschürzte und tanzwütige Freundin Violet nie verzeihen. Vor Auggies Laden lungern zudem diverse Stadtstreicher herum - darunter der wirr faselnde "belgische Waffelmann" . Das schmächtige Kerlchen behauptet, in staatlichem Auftrag Statistiken zu erstellen und fragt verwirrte Passanten, ob sie sich beim Toilettengang hinterher ihren Kot ansehen oder ihn achtlos herunterspülen.
Und dann ist da noch die schlechtgelaunte, singende Telegrammbotin, der Regisseur Jim Jarmush, der bei Auggie die letzte Zigarette seines Lebens raucht und ein tonlos brummelnder Lou Reed, der eine äußerst einleuchtende Erklärung dafür hat, warum er nachts arglos durch Brooklyn streifen kann, aber unglaubliche Angst vor Schweden hat ...
Filmkritiken
Cinema 01/1996: Aber das Schöne an "Blue In The Face" ist doch gerade der Charme des Unfertigen, der willkürlichen Momente - und seit wann ließe sich fließende Konversation in das Korsett der Kritik pressen? So bekömmlich wie die Zigarette danach: der "Smoke"-Begleitfilm.
Berliner Morgenpost: Eine Liebeserklärung an Brooklyn ohnegleichen. Eine verrückte bunte Revue tolldreister und alltäglicher Gestalten, die mit der Wendigkeit eines Läufers beim Baseballspiel durch das Bild sausen.
TV Hören und Sehen: Weil allen Beteiligten die Arbeit an dem Film "Smoke" so gut gefiel, gab's ein Anhängsel. Noch mehr Witz und Stars!
TV Spielfilm: Charme und Atmosphäre dieses Kaleidoskops der kleinen Leute werden jeden Kinofan schnell in seinen Bann ziehen.
film-dienst 26/1995: Kurzweilig, charmant und entspannt, gewinnt der Film durch die Kenntnis von "Smoke" an Reiz.
Bemerkungen
Die Idee zu "Blue In The Face" entstand während der Dreharbeiten zu "Smoke". Wayne Wang und seinem Autor Paul Auster fiel auf, dass die Figuren ihres Werkes, genauer gesagt deren Darsteller, unabhängig vom Drehbuch eine Art Eigenleben entwickelten.
Da dieses spannend-witzige Eigenleben in "Smoke" keinen Niederschlag finden konnte, beschloß man, mit wenig Geld einen Folgefilm zu drehen, der auf Improvisationen basierte.
So entstand innerhalb kürzester Zeit ein "Instant Film", in dessen Mittelpunkt wiederum der Tabakwarenhändler Auggie Wren und dessen Laden steht.