Ernst Corinth über Copykill

Schon wieder treibt ein Serienmörder im Kino sein Unwesen. Nichts bleibt dem Zuschauer erspart: Es wird auf bestialische Art gefoltert und gemordet, Blut fließt kübelweise, und auf manches grausige Bild hätte Regisseur Jon Amiel lieber verzichten sollen. Dennoch, sein Film ist nicht nur spannend, sondern auf merkwürdige Art faszinierend. Und genau diese Faszination ist auch eines der Hauptmotive von "Copykill".

Peter Foley (William McNamara), ein grauer Durchschnittstyp, ist von (authentischen) Serienmördern wie David Berkovitz, Ted Bundy oder Albert DeSalvo so begeistert, dass er anfängt ihre Taten genau zu kopieren. Und wie jeder psychopathische Killer benötigt er ein Publikum, um seine vermeintliche Macht zu genießen.

Seine "Ansprechpartnerin'' im wahrsten Sinne des Wortes ist Helen Hudson (Sigourney Weaver), eine Kriminalpsychologin mit dem Spezialgebiet "Serienkiller". Sie wurde selbst einmal Opfer eines ihrer "Klienten" und leidet nun unter einem Trauma. Selbst 13 Monate nach der Tat kann sie immer noch nicht ihre Wohnung verlassen. Sie schluckt Pillen, trinkt und kommuniziert mit der Außenwelt nur über ihre Computeranlage. Als Helen Hudson von den ersten Morden erfährt, wird ihr schnell klar, dass nur ein Serienmörder seine Hände im Spiel haben kann, und so wendet sie sich an die Polizei, an die junge Beamtin M. J. Monahan (großartig gespielt von: Holly Hunter).

Doch das ist bloß die Ausgangssituation für einen gut zweistündigen Film, der alle Mittel und Klischees des Genres geschickt einsetzt. Da beobachtet, ja, belauert man also aus der Perspektive des Mörders die Opfer, schaut zu wie Helen Hudson durch ihre dunkle Wohnung geht, wie sie natürlich unter der Dusche steht oder sich nichtsahnend ins Bett legt.

Obwohl dies alles so ähnlich schon ein Dutzendmal vorher zu sehen gewesen ist, spürt man ein wenig den verhängnisvollen Reiz, den ein Mörder wie Peter Foley bei seinen Taten empfinden muß. Und vielleicht sind die zahlreichen Filme über Serienmörder ja auch deswegen so erfolgreich, weil in Zeiten, in denen Angst und Furcht scheinbar zu nehmen, gleichzeitig unsere Neugierde wächst auf das, was vermeintlich hinter dem Schrecken oder dem Bösen steht. Doch eines ist zumindest sicher: Frauen, die allein in geräumigen Apartments wohnen, sollten um "Copykill" lieber einen ganz großen Bogen schlagen ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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