Ernst Corinth über Der Trip

Dieter hat zwar ein Handy, aber kein Talent. Und damit paßt er ganz gut in unsere Zeit. Doch leider sind nur die wenigsten Handybesitzer gleichzeitig so unfreiwillig komisch wie unser Dieter: Er lebt immer noch bei seinen Eltern, einem lustig penetranten Alt-68er Ehepaar (Hansi Jochmann, Herbert Feuerstein), jobbt als "singendes Telegramm" und träumt von der großen Schlagerkarriere. Frauen dagegen lassen Dieter völlig kalt. Bis zu dem Tag, an dem er Petra (Esther Schweins) trifft und nach der ersten Umarmung sofort Knall auf Fall in die siebziger Jahre zurückversetzt wird, mit Handy und allem was nicht dazugehört.

Natürlich ist das alles der totale Quatsch. Aber diese herzzerreißend blödsinnige Geschichte hat Regisseur (und Drehbuchautor) Wolfgang Büld einfach umwerfend schräg inszeniert. Das fängt bei den Klischees an, die erbarmungslos zitiert und genüßlich ausgeschlachtet werden und endet bei den Schauspielern, die stets ein wenig neben ihrer Rolle zu stehen scheinen und dadurch erst richtig komisch wirken. Allen voran der populäre Schlagerparodist Dieter Thomas Kuhn, der in seinem ersten Kinofilm als "Null-Bock"-Dieter erstaunlich viel Talent beweist.

Wer sich auf diesen "Trip" einläßt (und nicht bereits nach fünf Minuten empört das Kino verläßt), erlebt dann tatsächlich eine überraschend witzige Abrechnung mit den siebziger Jahren. Mit einer Zeit, in der bekiffte Blumenkinder die Parkordnung durcheinanderbrachten, bärtige Terroristen durchs Unterholz strichen, in den Wohngemeinschaften Frank Zappa auf dem Klo saß und die Revolution auf der Tagesordnung stand.

Also liebe ehemaligen Hippies, Alt-68er und Ex-Kommunarden geht lieber schnell in Deckung. Für die Kinder der neunziger Jahre sind eure nostalgischen Erzählungen nur noch ein toller Komödienstoff.

Dirk Jasper FilmLexikon
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