Ernst Corinth über Das Superweib

Die Werbekampagne ist grandios, doch der Film eine einzige Enttäuschung. Dabei waren die Erwartungen hoch. Schließlich ist der Regisseur kein geringer als Sönke Wortmann, dem wir mit "Der bewegte Mann" eine der turbulentesten und zudem kommerziell erfolgreichsten deutschen Komödien der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verdanken.

Doch jetzt hat sich Wortmann, der sich offensichtlich gern nach einem Erfolg einen Flop leistet (beispielsweise folgte 1992 nach "Kleine Haie" stante pede der unsägliche "Mr. Bluesman"), mit "Das Superweib" schlicht überhoben. Sein Versuch, einen guten Film nach einem schlechten Roman zu inszenieren, ging dermaßen in die sprichwörtliche Hose, dass man darüber schon ein wenig überrascht sein muß.

Zu keinem Zeitpunkt des zum Glück mit knapp 90 Minuten angenehm kurzen Films gelingt es Sönke Wortmann, die vor Selbstgefälligkeit der Autorin Hera Lind nur so strotzende Romanvorlage zu konterkarieren oder wenigstens im Ansatz zu ironisieren. Die Heldin der Geschichte, Franziska Herr, die immerhin das beachtliche Kunststück fertigbringt, sich aus Versehen vom mütterlichen Aschenputtel zur gefragten auflagenstarken Prinzessin des Buchhandels zu entwickeln, wird bis zum Ende so ungebrochen positiv gezeichnet, dass selbst Veronica Ferres zuweilen durchschimmernder Hang zum leicht Vulgären, diese blutleere und völlig komödienuntaugliche Figur nicht füllen kann.

Dabei ist sie von einem wahren Staraufgebot umgeben. Joachim Krol spielt wie immer hervorragend spitzbübisch den Anwalt Enno Winkel, der Franziska Herr zur anfangs noch ungewollten Scheidung verhilft. Seine herzensgute Mutter ist Liselotte Pulver, die endlich mal wieder im Kino zu sehen ist. Thomas Heinze poltert als Franziskas fieser Ex-Mann Will Groß durch die Münchner Szenerie, verfolgt schockiert den Aufstieg seiner unscheinbaren Frau, will dann ihren Roman verfilmen und steckt am Ende selbst im dicksten Beziehungsschlamassel. Und natürlich darf Til Schweiger nicht fehlen, der ohne große Anstrengung einen eitlen Schauspielerschönling zum besten gibt.

Aber selbst die Leistung dieser durchweg guten Akteure kann diesen erschreckend tempoarmen Film nicht retten. Er bleibt bis zum bittersüßen Schluß, trotz einiger von Wortmann wunderbar beobachteter Details, viel zu harmlos, sauber und nett. - Nein, das ist kein Superweib, sondern nur ein kleines lahmes Entchen, das viel schnattert, aber nichts zu sagen hat. Genau wie Hera Lind.

Dirk Jasper FilmLexikon
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