Peanuts - Die Bank zahlt alles

Filmkritik von Ernst Corinth

dass Kleider immer noch Leute machen, weiß man ja. Aber dass die Führungsriege einer deutschen Bank von einem gerissen bluffenden Spekulanten so leicht aufs Kreuz zu legen ist, würde keiner dem Regisseur Carlo Rola abnehmen, wenn es nicht den "Fall Doktor Schneider" gäbe. Die Parallelen sind jedenfalls kaum zu übersehen: Die betroffene Bank wurde in "Germanische Bank" umgetauft, aus Schneider wurde Schuster, der Titel "Peanuts" spricht eh für sich - und der Rest ist eine komische Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann.

Sie beginnt mit einer Pleite: Der kleine Bauunternehmer Jochen Schuster steht finanziell vor dem Ruin. Der Sachbearbeiter seiner Bank will ihm keinen Kredit mehr einräumen, sein reicher Vater (Heinz Schenk) leiht ihm auch kein Geld mehr, doch dann hat er die rettende Idee. Ein neues Auto samt Chauffeur wird besorgt, teuerste Klamotten werden übergestreift und auf die Glatze kommt ein Toupet.

So ausstaffiert geht's mit gefälschten Unterlagen zur Germanischen Bank, wo man ihn mit offenen Vorstandsarmen empfängt und mit ein paar Millionen Mark entlässt. Wie die Geschichte weitergeht, ist bekannt.

Obwohl die Empörung über den echten Doktor Schneider groß und die Häme über sein Schicksal entsprechend war, verwandelt Regisseur Carlo Rola diese Figur in einen durchweg sympathischen Charakter.

Jeder, der mal einen Kleinkredit beantragt oder irgendwie in Geldnöten gesteckt hat, wird sich sofort mit ihm identifizieren und genüsslich verfolgen, wie die Großen von einem Kleinen vorgeführt, ihre Schwächen und Dummheiten satirisch aufgespießt und selbst ihre modischen Torheiten bei alledem nicht vergessen werden.

Und dann ist da noch Ulrich Mühe, der den kleinen Schuster wie einen modernen Hauptmann von Köpenick spielt. Beinahe ungläubig verfolgt er anfangs seine Karriere, staunt selbst über seinen Erfolg und verstrickt sich am Schluss immer mehr in wahnwitzige Ideen und Projekte.

Gut ergänzt wird Mühe von einem ganzen Stab exzellenter Schauspieler und Komödianten: Iris Berben als Schusters Pressedame agiert hübsch schlüpfrig, Rufus Beck als sein verantwortlicher Bankmensch stets am Rande des Nervenzusammenbruchs und Traugott Buhre als Bankdirektor ist die ganze Angelegenheit sowieso egal. Hauptsache der Rubel rollt. Und geht's mal schief, wird der Verlust eben kurzerhand von der Steuer abgesetzt.

So werden aus Millionen von Mark schnell "Peanuts". Darüber kann man sich nun fürchterlich ärgern - oder eine freche Komödie drehen, die das hält, was andere bloß versprechen: Beste Kino-Unterhaltung aus deutschen Landen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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