Die Rache der
Gequälten
Schauspieler, auf die Bahamas! Macht
euch von den zuletzt verdienten Gagen einen schönen Lenz, oder
schult besser gleich um. Dank der "Toy Story", dem ersten komplett
computeranimierten Spielfilm, brauchen sich Schauspieler
künftig weder Bärte anzukleben, dicke Schminke ins
Gesicht zu schmieren oder unsympathische Filmpartner zu
küssen.
Inwieweit diese Art der Filmgestaltung die Realfilmbranche aufzumischen in der Lage ist, wird sich zeigen. Die Debütgeschichte aus dem Hause Walt Disney jedenfalls hat sich mit der "Toy Story" richtig entschieden. Endlich einmal passiert, was sich jedes Kind schon immer gewünscht hat: die sonst nur leblos in Kinderzimmern herumfahrenden Spielzeugfiguren wurden zu Leben erweckt, durch die Möglichkeiten der Computeranimation eine Welt erschlossen, die sonst allenfalls der Requisite dienlich ist. Der Cowboy Woody und der mit allen technischen Gimmicks ausgestattete Space-Roboter Buzz Lightyear raufen um die Sympathie ihres kleinen Besitzers. Gemeinsam bestehen sie Abenteuer, müssen lernen, dass Eifersucht in der Spielzeugwelt fehl am Platz ist. Freude kommt eigentlich erst mit dem sadistischen Nachbarjungen auf. Der hat sein Konfektionsspielzeug individuell verfeinert, sich als Vater Frankenstein aufgespielt und in seinem Zimmer ein wahres Gruselkabinett geschaffen. Das ist natürlich unanständig, weshalb der böse Bube auch seiner gerechten Strafe nicht entgehen wird: ihm blüht die Rache der Gequälten. Regisseur und Oscarpreisträger John Lasseter (1988 für "Tin Toy" als bester Animationskurzfilm) dagegen kann sich die Hände reiben. Ob es zu Folgeprojekten kommen wird, scheint fraglich: der gute Mann kommt mit dem Geld zählen nicht nach: schon am ersten Spielwochenende in den USA hat die "Toy Story" 40 Millionen Dollar eingespielt, in den folgenden 14 Wochen haben sich weitere 150 Millionen Dollar hinzugesellt. Vom Kuchen darf sich auch Tom Hanks ein Stück abschneiden. In der Originalfassung leiht "Forrest Gump" dem Cowboy Woody seine Stimme, Tim Allen spricht Buzz Lightyear. Wenigstens die beiden haben die Zeichen der Zeit erkannt, brauchen also nicht auf Programmierer oder Computerdesigner umsatteln. Und die Bahamas laufen auch nicht wenig. "Toy Story", USA 1995, 77 Minuten, von John Lasseter, mit ausschließlich computergenerierten Darstellern, Tieren, Häusern und und und. In deutschen Filmtheatern ab dem 21.03.1996. Bewertung: 4 / 5 Punkte
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Die Rache der
Gequälten
Schauspieler, auf die Bahamas! Macht
euch von den zuletzt verdienten Gagen einen schönen Lenz, oder
schult besser gleich um. Dank der "Toy Story", dem ersten komplett
computeranimierten Spielfilm, brauchen sich Schauspieler
künftig weder Bärte anzukleben, dicke Schminke ins
Gesicht zu schmieren oder unsympathische Filmpartner zu
küssen.