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Tod durch TrinkenDas "Pretty Woman"-Thema läßt Hollywood nicht los. Hier allerdings liefert Mike Figgis ("Mr.Jones") eine Variante mit umgekehrten Vorzeichen. Denn den erfolglosen Drehbuchautor Ben (Nicolas Cage) bringt auch die Liebe nicht von seinem Entschluß ab: er sucht den Tod durch Trinken. Eine Untergangsstory, die packt und beweist, das großes Kino auch mit bescheidenen Mitteln möglich ist. Nicolas Cage erhielt für seine Rolle Ende März einen Oscar.Ein fröhlicher Ben Sanderson schiebt den Einkaufswagen an den Spirituosenregalen eines Supermarktes vorbei, greift sich Flüssiges und Hochprozentiges, als wolle er eine Jenseits-Party feiern. Das Lachen vergeht dem Zuschauer ziemlich schnell: als nämlich herauskommt, dass Ben Alkoholiker ist, brummt in Anbetracht der Flüssigdroge schon vom puren Hinsehen der Schädel. Nach einem kurzen brancheninternen Schlagabtausch mit Seitenhieben auf die für diesen Film verantwortliche Produktionsfirma und eine Anspielung auf Mike Figgis' letzten Hauptdarsteller Richard Gere (in "Mr.Jones") ist Ben arbeitslos. Seine Abfindung und seine Ersparnisse, so beschließt er, will er versaufen. Möglichst schnell, und so viel, dass er daran krepiert. Las Vegas scheint ihm der richtige Ort zu sein: keine Sperrstunde, Vergnügen rund um die Uhr, ein Mekka für süchtige Kreaturen. Den kranken, selbstzerstörerischen Mann spielt Nicolas Cage mit solcher Inbrunst, solcher Kraft, man bekommt es regelrecht mit der Angst zu tun. So schockierend dieser vorsätzliche Absturz an sich schon wäre, als dem exzentrischen Ben die Hure Sera (Elisabeth Shue) begegnet, entspinnt sich auch noch eine fatale Liebesgeschichte, wie sie Cage auch schon als Sailor in David Lynchs "Wild at heart" erfuhr. Zusammen schwebt das romantische Paar zwischen Himmel und Hölle, sich trotz seiner tödlichen Vorsätze immer respektierend. dass "Leaving Las Vegas" kein abgehobenes Hollywood-Produkt wurde, dafür sorgte Regisseur Mike Figgis im mehrfacher Hinsicht: seine Passion für Jazz und Blues äußert sich im eigens komponierten und mitinterpretierten Soundtrack (zu dem Sting drei bisher unveröffentlichte Songs beisteuerte). Stilsicher, aber mit respektvoller Distanz zeigt er den Weg des physisch abbauenden Mannes auf und seiner an Liebe erstarkenden Freundin auf, gönnt sich und ein paar Freunden kleine Nebenauftritte, ganz so, als sei dieser Film mehr aus Spaß denn aus berechnetem Kalkül entstanden. Darauf einen Toast. "Leaving Las Vegas", USA 1995/96, 110 Minuten, von Mike Figgis, mit Nicholas Cage, Elisabeth Shue. In deutschen Filmtheatern ab dem 9. Mai 1996.
Bewertung: 4 / 5 Punkte
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