Ernst Corinth über Der dritte Frühling

Endlich hat der Frühling begonnen. Auch in Wabasha, der Hauptstadt des internationalen Grantlertums. Seine Bürger haben mit wenigen Ausnahmen die Pensionsgrenze längst überschritten, die reifen Damen backen Apfelkuchen oder pflegen ihren Vorgarten, die alten Herren stehen abends an der Theke oder gehen Angeln. Einmal im Jahr spielt eine bayerische Trachtenkapelle, und dann geht's selbst in dem kleinen Kaff in Minnesota mit einer Polka zünftig zur Sache.

Die Welt ist also in Ordnung. Bis zu dem Tag, an dem eine feurige Signora das verschlafene Nest betritt, um ausgerechnet den verwaisten Ködershop direkt am See in ein edles Ristorante zu verwandeln. Aber das lassen sich John und Max, die Oberdickköpfe der Gemeinde, natürlich nicht gefallen. Schließlich, so befürchten sie, würden die Gäste des Lokals die Stille an und die Fische in ihrem Angelsee vertreiben. Und keiner hätte mehr die Chance, "Killer George", den legendären 20jährigen Katzenwels, zu fangen.

Doch Haken hin, Tauwurm her. Die Geschichte, die in "Der dritte Frühling" erzählt wird, ist im Grunde völlig nebensächlich. Wie bereits in "Ein verrücktes Paar", dem ersten Teil dieser sich nun abzeichnenden Miniserie, geht es eigentlich nur darum, dass das Männerpaar des amerikanischen Kinos, Jack Lemmon und Walter Matthau, in ihrem neunten gemeinsamen Film mal wieder beweisen kann, dass ein Komödiantenleben nicht mit 70 Jahren automatisch beendet sein muß.

Was die beiden als John und Max zu bieten haben, ist tatsächlich köstlich und tröstet sogar über die penetranten Rührseligkeiten hinweg, auf die Regisseur Howard Deutch leider nicht verzichtet hat. In jeder Szene des Films ist der Spaß spürbar, den die zwei leibhaftigen Tränensäcke miteinander haben. Und man muß nicht unbedingt nostalgisch gestimmt sein, um an dem vertrauten Spiel, den bewährten Grimassen und den frechen Dialogen der komisch-lieben Hollywood-Opas Gefallen zu finden.

Wunderbar ergänzt werden sie von Sophia Loren, die der Ristorante-Chefin Maria Ragetti im wahrsten Sinne prallstes Leben einzuhauchen weiß. dass sie dabei dem faltigen Makrelengesicht Matthau umgehend den Kopf verdreht, wundert nicht. Nur, dass er am Schluß auch noch anfängt die vergammelten Thunfischsandwiches unter seinem Sofa wegzuräumen, das irritiert schon ein wenig.

Dirk Jasper FilmLexikon
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