Hätten die Engländer nicht irgendwann behauptet, dass die Amerikaner nichts mit Shakespeare anfangen können - vielleicht wäre die Herausforderung nicht angenommen worden.
Aber sie wurde es. Al Pacino - uns nur bekannt als Filmschauspieler - möchte "Richard III.", dieses Drama über Macht und Morde, Lust und Laster, Vertrauensbrüche und Verrat, inszenieren. Mit Al Pacino in der Titelrolle - und auf der Bühne. Er fragt sich und die Welt: Wer ist Shakespeare, wer ist dieser Richard, warum überhaupt reizen ihn Stoff und Person - und warum das alles?
Er bekommt soviele Antworten, wie er Fragen gestellt hat - nicht alle bringen ihn weiter, aber manche (von Vanessa Redgrave, Sir John Gielgud, Kenneth Branagh, Peter Brook, Kevin Kline, Rosemary Harris und anderen Fachleuten) öffnen Herz und Sinne so, dass die Engländer nie wieder so etwas Despektierliches über die Amerikaner sagen werden.
Dieser "Richard III." ist einmalig, und die Geschichte vom "making of ..." bietet alles, was das Kino will: Sex und Crime, Abenteuer und vor allem Gefühle - bei Shakespeare und bei Pacino, auf der Bühne und bei den Proben, beim Spaziergang durch New York oder den Central Park. Oder in London. Oder in den Köpfen. Diese Dokumentation von der Entstehung eines Stücks ist großes Kino, dessen Ausgang niemand kannte.
Filmkritiken
film-dienst 02/1997: In einem ehrgeizigen dreijährigen Projekt erarbeitete der Hollywood-Schauspieler Al Pacino William Shakespeares "Richard III.", in dem er die Titelrolle spielt und mit dem er zugleich an das Drama heranzuführen versucht, indem er es in bezug zur Aktualität und die Gültigkeit ethischer Normen in Vergangenheit und Gegenwart hinterfragt. Vieles bleibt dabei lediglich Behauptung oder wird durch eine hektische Videoclip-Ästhetik gedanklich erschlagen; erst in der zweiten Hälfte findet der Film einen eigenen Rhythmus, so dass sich einiges von der Doppelbödigkeit der Vorlage und zugleich etwas von Pacinos Könnerschaft vermittelt.
Cinema 02/1997: Al Pacinos Debütfilm ist vieles auf einmal: Shakespeare-Hommage, Selbstporträt, verfilmtes Theater, Literaturseminar. Ein rundum faszinierendes Wagnis.
TV Spielfilm 03/1997: Schade, dass dieses Semidokudrama nur wenige sehen werden.