Gerhard Heeke über Einsame Entscheidung

Keine 'Einsame Entscheidung' war es in diesen Film zu gehen, das Kino war nämlich mal wieder ausverkauft. Es scheint also mal wieder Bedarf für einen richtigen Actionfilm zu bestehen. Ob allerdings alle Actionfans auf Ihre Kosten gekommen sind, erfahrt ihr hier in dieser Filmbesprechung. Aber zunächst mal, worum geht es überhaupt?

Islamische Terroristen haben eine vollbesetzte Boeing gekapert und wollen sie nach Washington DC entführen. Das gemeine daran: Es geht den Terroristen in Wirklichkeit nicht um die Erfüllung ihrer Lösegeldforderungen, sondern schlicht und ergreifend darum, Washington und einen großen Teil der Ostküste mittels Nervengas zu entvölkern. Aber da haben sie die Rechnung ohne den Geheimdienststrategen Dr. David Grant (Kurt Russell) gemacht. Er erkennt (natürlich als einziger) das wahre Ziel der Terroristen. Zusammen mit einem Spezialeinsatzteam wird er an Bord der Boeing geschmuggelt. Da diese allerdings noch nirgendwo zwischengelandet ist, geschieht der Transfer über den Wolken. Ein hochgeheimes Spezialflugzeug dockt an die Boeing an und liefert das Anti-Terror Team ab. Leider geht bei dem Transfer der Leiter des Teams (Steven Seagal) verloren. Nun muß 'Sein Name ist Grant, David Grant' diese Rolle übernehmen und mit einem unvollständigen Team ohne kompletter Ausrüstung die Besatzung und die Passagiere aus der Hand der Terroristen befreien. Die Zeit ist knapp, denn der Präsident hat beschlossen, das Flugzeug abschießen zu lassen ...

Wer einen Actionfilm mit vielen Explosionen, Krachern und Fights erwartet hat, wird nur in den allerersten paar Minuten bedient. Was danach folgt ist eher ein gegenseitiges Belauern, warten auf eine geeignete Chance. Dies ist aber, trotz aller Klischees (oder gerade wegen) unheimlich spannend zu verfolgen. Leider rutscht der Film zum Schluß noch ins alberne ab. Über Notlandung haben andere schon eigenständige, spannende Filme gedreht. (Ich hoffe, ich habe hier nicht zuviel verraten). Was hier zu sehen ist, ist eine Farce.

Nichts gegen Mr. Seagal (na ja, oder eigentlich doch): Dem Film hat sein frühzeitiges Ableben nur gutgetan. So wird die 'militärische Verantwortung' dieser Aktion von 'Rat' alias John Leguizamo übernommen. Und dieser Schauspieler, stellt einen Soldaten dar, der versucht cool zu bleiben, aber dem trotzdem die (verständliche) Angst in den Augen geschrieben steht, gilt es doch - neben dem eigenen Leben und der des Teams - auch noch die Leben von über 400 Passagieren zu retten und das angesichts einer Bombe, die jederzeit hochgehen kann.

Gut gefallen hat mir außerdem David Suchet als Terrorist Nagi Hassan. Ich kann es nicht genau festmachen, was mir so gut gefallen hat, aber ich muß sagen, ich fand die Rolle mit David Suchet sehr gut besetzt. Er wirkte sehr, nun, glaubwürdig.

Dagegen fand ich Kurt Russell eher nichtssagend. Seine Mimik beschränkt sich auf ein paar Gesichtszüge und er wirkt ansonsten (auch schon von der Rolle her) wie ein James Bond für Arme. Auch Halle Berry ist als mutige Stewardess hübsch anzusehen. Mehr läßt sich leider aber auch nicht sagen. Dafür ist die Rolle einfach zu klein angelegt, sie bietet zu wenig Spielraum.

Eine der Sachen, die mich an der Story gestört hat, war übrigens die Bombe! Warum (außer aus dramaturgischen Gründen natürlich), wird eine Bombe, die eigentlich nie in Gefahr war entdeckt zu werden, so kompliziert gestaltet? Ein einfacher Höhenzünder hätte es doch auch getan. Wer sollte auch schon an der Bombe rumspielen? Nun ja, sieht man hierüber hinweg, bekommt man nun doch einige spannende Szenen zu sehen. Dies verwundert mich so oder so immer wieder. Man weiß, dass die Bombe in einer bestimmten Szene einfach nicht hochgehen darf (ansonsten wäre der Film 45 Minuten zu kurz geworden und es gäbe keine Happy End), aber trotzdem zittert man, ob nun wohl der richtige Draht durchtrennt wird. Aber ich schweife ab.

Die Special Effekts sind ordentlich gemacht. Gut gefallen haben mir auch die Flugszenen, wo das Spezialflugzeug an der Boeing andockt. Die Musik ist, bis auf den Abschlußsong, eher unauffällig. Bei den 'Bildern' haben mir persönlich, die Endoskopbilder und das Rumgehangele in den Gängen des Fliegers am besten gefallen.

Trotz aller Klischees, die bevorzugt aus Die Hard geklaut worden sind, ist der Film sehr spannend und sorgt somit für etwas mehr als zwei unterhaltsame Stunden.

Fazit: Spannende, wenig knallende, Action

7 von 10 entführten Boeings

Dirk Jasper FilmLexikon
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