Im "Birdcage" geht Abend für Abend die tollste Travestie-Show des Landes über die Bühne, und Albert ist der umjubelte Star des Programms, eine echte Diva. Alberts Partner, geschäftlich wie privat, ist seit langen Jahren Armand.
Die beiden sind ein altes Ehepaar, auch wenn die Ringe fehlen. Ihre holde Zweisamkeit, munter gehalten durch mancherart Sticheleien und Alltags-Ärger, wird einer ernsthaften Bewährungsprobe unterzogen, als Armands erwachsener Sohn seinem Papa eröffnet, er wolle heiraten - und auch noch eine Frau!
Das allein ist schon Schock genug für die beiden schrillen Vögel vom "Birdcage". Zur Katastrophe wird das bevorstehende Ereignis, als die Eltern der Braut die künftigen "Schwiegereltern" ihrer Tochter kennenlernen wollen.
Dummerweise ist der Brautvater nicht nur ein nahmhafter Politiker, sondern auch ein ausgesprochener Moralapostel und Vorsitzender eines Komitees zur Aufrechterhaltung von Sitte und Anstand. Keine Frage, dass dem guten Mann Stress bevorsteht ...
Filmkritiken
Filmkritik von Ernst Corinth
Filmkritik von Gerhard Heeke
Die Woche 17. Mai 1996: Für eine eigenständige Interpretation griff Nichols auf seine alte Freundin Elaine May zurück, mit der er in den 60er Jahren ein Comedy-Duo bildete, dessen Wortwitz sich auch in diesem May-Drehbuch beweist. Nichols inszeniert einmal mehr sein Lieblingsthema: der doppelte Boden der sogenannten Normalität, unter besonderer Berücksichtigung von Geschlecht und politischem Standpunkt, gewürzt mit einer Prise Anarchie - bei einem Hollywood-Film ein schon fast intellektueller Ansatz. Wobei die Frage, warum Männer in Frauenkleidern stets als Schießbudenfiguren agieren - über Marlene Dietrich im Smoking lacht niemand -, auch hier nicht beantwortet wird.