Ernst Corinth über The Birdcage

Wer "Ein Käfig voller Narren" gesehen hat, wird sich wundern, wie genau Regisseur Mike Nichols den mittlerweile 18 Jahre zurückliegenden französischen Komödienerfolg kopiert hat. Neu sind in diesem Remake eigentlich nur die Schauspieler und der Ort der Handlung. Statt in St. Tropez steht der grelle Travestieklub jetzt auf Fisher Island, Florida. Betrieben wird er seit 20 Jahren in trauter Eintracht und vorbildlicher Harmonie von einem schwulen "Ehepaar", von Armand (Robin Williams), dem Chef, und Albert (Nathan Lane), der tanzenden und singenden Nachtklubprinzessin.

Alles ist in bester Ordnung, bis zu dem Tag als Armands Sohn plötzlich seinem Vater gesteht, dass er nun heiraten werde. Und ausgerechnet die Tochter eines erzkonservativen Politikers (wunderbar verkniffen: Gene Hackman), der für Recht und Ordnung und gegen Homosexualität und Sittenverfall zu Felde zieht. Damit der reaktionäre Stiernacken der Ehe seiner Tochter zustimmt, sollen Armand und Albert während des anstehenden Anstandsbesuches der Schwiegereltern sich ganz "normal" verhalten. Was natürlich nicht funktionieren kann. Und dann zu einigen wirklich komischen Klamaukszenen führt.

Der Film ist aber auch ein heiterer Appell für mehr Toleranz und eine lustbetonte Attacke gegen die doppelte Moral selbsternannter Sittenwächter. Doch das eigentlich Bemerkenswerte ist Robin Williams' Leistung, der endlich mal nicht völlig überdreht über die Leinwand zappelt, sondern angenehm zurückhaltend und vor allem ungemein konzentriert agiert. Wie es ihm dabei gelingt, mit kleinsten Gesten und Blicken "Schwulsein" zu verkörpern, ist brillant und lohnt allein schon den zweistündigen Besuch in "Birdcage" auf Fisher Island, Florida.

© 1999 Ernst Corinth © 1999 Next Step Mediendienste GmbH