Gerhard Heeke über Hackers

Szenenfoto Auf der ersten Jugendmesse Europas, der YOU '96, erlebte der Film für die Computergeneration der 90er seine Premiere. 'Hackers', so der Titel, zielt sowohl mit Story und Schauspielern, als auch mit der Kameraführung/Schnittechnik auf das jugendliche Publikum ab. Aber worum geht es überhaupt? Wieder um einen 'Weltweiten thermonuklearen Krieg' wie seinerzeit in Wargames Anfang der achtziger Jahre? Nein, natürlich nicht. Der kalte Krieg ist vergessen und der Film steht voll im Zeichen der political Correctness. Dementsprechend gilt es, eine globale Umweltkatastrophe zu verhindern.

Der Hacker Dade, alias Zero Cool (gespielt von Johnny Lee Miller), war schon als Kind ein Computergenie. Leider nutzte er seine Genialität dazu, sich in fremde Computersysteme einzuhacken. Er wurde erwischt und vom Gericht mit einem siebenjährigen Computerverbot belegt. Zeitsprung. Nach diesen sieben Jahren ziehen Dade und seine Mutter nach New York. An der High School nutzt er seine, anscheinend immer noch aktuellen, Computerkenntnisse um in den gleichen Kurs wie die sehr attraktive Hackerin Kate (Angelina Jolie) zu kommen. Zusammen mit ein paar anderen Jugendlichen machen sie sich einen Spaß daraus, sich in Computersysteme zu hacken. Leider kommen sie dabei dem Computersystemexperten 'The Plague' (Fisher Stevens) in die Quere. Der hat ein Computerprogramm entwickelt, das seinen Arbeitgeber um 25 Mio. US-$ erleichtern soll. Ein Virus, zur Ablenkung von ihm eingespielt, droht durch das Kentern von Supertankern, eine weltweite Umweltkatastrophe auszulösen. Die jugendlichen Hacker werden vom FBI als Verursacher des Virus ausgemacht und als Terroristen gejagt...

Die Story ist nicht durchgängig logisch gestaltet und über die dargestellte Computertechnik verliere ich lieber keine Worte. Dafür sind Laptops mit Super-Workstation Power, Internetverbindungen mit rasender Geschwindigkeit und dreidimensionale Realzeitgrafiken doch noch etwas weit weg in der Zukunft. Der Film möchte seine Wirkung auch weniger mit Details oder Handlung erzielen, er möchte ein Feeling transferieren.

Sehr gut gefallen hat mir eine Überblendung. Es wird die nächtliche Stadt New York aus der Vogelperspektive gezeigt, die Kamera geht immer tiefer, bis auf einmal aus den Straßen Leiterbahnen und aus den Hochhäusern Computerknoten ala Neuromancer werden. Die megatollen Grafiken visualisieren daher viel eher die Gefühle der jugendlichen Hacker beim Trip in diese virtuelle Realität, als das sie heutige Computertechnik darstellen sollen. Die sehr schnelle Schnittechnik im MTV Stil, unterlegt mit heißer Musik aus der Dance und Techno Szene verstärken den Eindruck noch. Eher ein überlanger Videoclip.

Leider tritt dabei die Handlung doch arg in den Hintergrund. Und dort sind auch die größten Schwächen des Films 'verborgen'.

Die jungen Schauspieler spielen leidlich gut, aber eine herausragende Leistung war leider nicht zu erkennen.

Fazit: Sehr oberflächlicher Hackerfilm. Der jungen Generation könnte es gefallen.

5 von 10 Cyberpunks

© Gerhard Heeke © 1999 Next Step Mediendienste GmbH