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Gegen Tom Cruise haben die Flugblattverteiler, die jetzt bundesweit vor den Kinos aufgetaucht sind, nicht den Hauch einer Chance. Den Frauen ist es sowieso egal, ob ihr Kinoheld Scientologe ist oder nicht. Viel aufregender sind seine offenbar frisch erworbenen recht beachtlichen Muskeln und natürlich sein gewohnt verschmitztes Lächeln. Und die Männer, die auf Action stehen, wollen mit der CDU nicht über Cruise seltsame Sektenzugehörigkeit oder gar seine Zeugungskraft diskutieren, sondern gewagte Stunts, lautkrachende Spezialeffekte sehen und kernige Sprüche hören.Und genau dies liefert Brian De Palma mit seinem Film "Mission: Impossible" ab, routiniert und stilsicher wie immer. dass die Geschichte selbst keinen Sinn macht und sich die Logik schon nach einer Viertelstunde endgültig verabschiedet, ist dagegen völlig zweitrangig. Im Mittelpunkt steht der amerikanische Agent Ethan Hunt (Tom Cruise), der mit seinem Team nach Prag reist. Dort sollen aus der US-Botschaft Computerdaten gestohlen und an einen mysteriösen Waffen- und Nachrichtendealer namens Max (Vanessa Redgrave) verkauft werden. Zwar scheint dieser Job anfangs nur ein Routinefall zu sein, doch dann geht plötzlich alles schief: Hunts Kollegen werden beim Einsatz erschossen, in die Luft gesprengt oder schnöde erstochen. Und wie sich bald herausstellen wird, verbirgt sich hinter dem Gemetzel eine ziemlich verzwickte Geheimdienstintrige. Denn der neue "Kinofeind" steht in Hollywood längst nicht mehr links oder rechts, sondern er ist entweder russischer Mafioso oder er kommt - wie hier und demnächst auch in Arnold Schwarzeneggers "Eraser"- aus den eigenen Reihen. So vollbringt Hunt nun notgedrungen im Alleingang (und später von ein paar echten Haudegen unterstützt) die tollsten Dinge: Er bricht unter anderem in die gesichertste aller gesicherten Computerzentralen der Welt ein, trickst dabei den gesamten CIA aus und legt sich am Schluß auf dem Hochgeschwindigkeitszug Paris-London hangelnd sogar noch mit einem Hubschrauber an. Doch eines bleibt ihm bei alledem (leider?) erspart; nämlich eine Liebesszene mit seiner bezaubernden Kollegin Claire (Emmanuelle Beart). Zwar kann Tom Cruise im Kino mittlerweile töten, was das Zeug hält, aber er wirkt dabei stets so cool und vor allem so clean, dass seine schlanken Finger trotz einer Menge Blut an den Händen eigentlich nie so richtig schmutzig ausschauen. Und vor einer Sexszene wurde der hübsche Saubermann bestimmt so lange duschen, dass allein dies bereits den zeitlichen Rahmen der Dreharbeiten sprengen würde. Dennoch ist sein neues Kinoabenteuer witzig und bis zur letzten Minute sogar richtig spannend: Schön nostalgisch sind die von Brian De Palma reichlich ins Spiel gebrachten Zitate: So erinnert an das Vorbild, die uralte TV-Serie "Kobra, übernehmen Sie", nicht nur die ohrwurmtaugliche Titelmusik, auch die nett absurden Technikspielereien tauchen hightechmäßig aufgemotzt wieder auf. Gleichzeitig werden Bilder und Szenen verwendet, die seit Anbeginn zu einem Agentenfilm einfach dazugehören. Beispielsweise geheime nächtliche Treffen unter Straßenlaternen, Gestalten, die auf Brücken warten, kurz danach rücklings und tot ins Wasser plumpsen. Und natürlich darf in einem Film der neunziger Jahre auch das Internet nicht fehlen. Mittels Computernetz wird also recherchiert, dass die Festplatte nur so kracht, und beim Showdown piepsen die Handys und flimmern die Monitore der Laptops.
Doch die spektakulärste Szene findet in absoluter Stille statt: Beim Einbruch in die schon erwähnte Computerzentrale läßt sich Hunt an einem Drahtseil in den hochgesicherten Raum herab. Er darf weder den Boden berühren, noch das geringste Geräusch erzeugen. So schwebt er also minutenlang vor dem CIA-Computer, um die gesuchten Daten zu kopieren. Und im Kino, man glaubt es kaum, es ist die ganze Zeit über wirklich mucksmäuschenstill. Zwar ist auch diese Szene "nur" ein Zitat aus dem von Jules Dassin vor mehr als 30 Jahren gedrehten Film "Topkapi". Aber wer so brillant und spielerisch mit den Mitteln des Genres umzugehen weiß wie Brian De Palma, der muß die Welt ja nicht stets von neuem erfinden.
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