Karsten Schulmann über Mission: Impossible

"Mission Impossible" - ein unlösbarer Auftrag - so lautet der Titel des Kinofilms zur Fernseh-Serie "Kobra, übernehmen sie".

Mit kräftigen Schlägen wurde die Werbetrommel gerührt, Nachrichten aus den USA über sensationelle Box-Office-Ergebnisse hier verbreitet und Überlegungen von Politikern angestellt, den Film in Deutschland wegen Tom Cruises Scientology-Zugehörigkeit zu boykottieren. Der Film ist also nun in aller Kinogänger Munde - doch wie gut ist er wirklich?

Ethan Hunt (Tom Cruise) ist Mitglied eines IMF-Teams, einer Spezialeinheit des amerikanischen Geheimdienstes, das in Prag den Diebstahl der sogenannten "NOC-Liste" (non-official cover list - ein Verzeichnis aller Informanten des Geheimdienstes) überwachen und verhindern soll. Mit allerlei technischem Schnickschnack ausgerüstet macht sich die Truppe an die Arbeit. Kurz vor Abschluß der Aktion gibt es Probleme - das Unternehmen entpuppt sich als Falle für das IMF-Team. Alle außer Hunt sterben - er selbst wird verdächtigt, für dieses Fiasko verantwortlich zu sein ...

Die Handlung hier weiter auszuführen wäre sinnlos, da man damit zuviel vom weiteren Ablauf mit den diversen Überraschungen preisgeben würde - zudem ist die Story bei diesem Film eher nebensächlich. Regisseur Brian De Palma versuchte einen packenden spannenden Film zu erschaffen - und genau das war wohl ein bißchen zuviel des guten. Nicht dass man mich jetzt falsch verstehen möge: Der Film ist witzig, spannend und unterhaltsam - aber ich habe schon viele witzige, spannende und unterhaltsame Filme gesehen.

Der Film setzt zu stark auf die Effekthascherei von technischen Gimmicks der Agenten und auf die grandiosen Spezialeffekte, die dies real wirken lassen. Die Handlung selbst, sowie die NOC-Liste überhaupt, ist nur ein Hitchcockscher "McGuffin". Der Showdown, der wohl alles jemals gezeigte in den Schatten stellen sollte, ist dadurch völlig überzogen dargestellt worden und nicht im geringsten glaubhaft (was man aber zu seiner Entschuldigung bei vielen Action-Filmen der Neuzeit beobachten kann).

Die Besetzung beurteile ich hier mit zwiespältigen Gefühlen. Zum einen gab es grandios besetzte Rollen mit Jean Reno ("Leon - Der Profi"), Ving Rhames ("Pulp Fiction"), Kristin Scott-Thomas ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall" - die hier leider viel zu kurz kam) und Vanessa Redgrave und andererseits gab es dann die klischee-typische Rolle des smarten, charismatischen Helden, den Tom Cruise spielte (von dem man in letzter Zeit besseres gewohnt war) und die Frau an seiner Seite (Emmanuelle Béart), die völlig überflüssig und unglaubwürdig spielte.

Von der technischen Seite her kann man keinen Makel entdecken. Schnitt und Kamera gehen, wie man es von den Filmen von Brian De Palma gewohnt ist, konform, wirken nie störend und vermitteln die passende Ästhetik. Die Musik, die glücklicherweise größtenteils vom Komponist des Serien-Themas Lalo Schifrin übernommen wurde, hätte man nicht übertreffen können.

Die Spezialeffekte, die man hier zu sehen bekommt, verdienen größerer Beachtung. Schon allein die Gesichtsmasken, die Tom Cruise mehrmals zur Tarnung trägt, sind täuschend echt gelungen, wofür Rob Bottin verantwortlich zeichnet. Die visuellen Effekte der Firma Industrial Light & Magic sind nicht minder spektakulär. Der komplette mindestens 10-minütige Showdown enthält fast keine Einstellung ohne Manipulation durch die Trickkünstler. Damit haben sich die Mannen von George Lucas' Firma wieder an die Spitze der Effektfirmen Hollywoods gezaubert.

Der Film hat, auch wenn es nicht so den Anschein hat, mir gut gefallen. Nur erwarte ich ein bißchen mehr von einem Film, der so groß angekündigt wird.

Alles in allem, ein Film, der sehenswert ist, den man aber (mit Ausnahme der Tricks) nicht gesehen haben muß.

© 1996 Karsten Schulmann © 1997 Deutsches Entertainment Forum