Ernst Corinth über Star Trek - Der erste Kontakt

Nun ist es tatsächlich passiert! Captain James T. Kirk, der in seinem letzten Kinoabenteuer das Kunststück fertiggebracht hat, gleich zweimal zu sterben, ist also wirklich tot. Und seine Jungs, die unter seiner Führung seit 1966 insgesamt irdische 2 Milliarden Dollar eingespielt haben, sind auch verschwunden. Scotti ist vermutlich pensioniert, Chekov offenbar in seine Heimat zurückgekehrt und Mister Spock läßt es sich bestimmt im Nexus wohl ergehen.

Doch die Show geht weiter, und selbst die Skeptiker unter den Fans sind am Schluß begeistert. Vorab jedoch wird empört diskutiert, dass die hübsche Bordärztin keine roten Haare mehr hat und, schlimmer noch, bei Besatzungsmitglied Riker (Jonathan Frakes) der deutsche Synchronsprecher gewechselt worden ist. Ohne Zweifel ein Riesenskandal!

Aber auch Jean-Luc Picard (Patrick Stewart), Kirks Nachfolger auf der neuen "Enterprise E", wirkt längst nicht mehr so verkniffen philosophisch wie in all seinen TV-Serien-Abenteuern, die er inzwischen auf dem Buckel hat. Natürlich hört er wieder einmal zur Entspannung klassische Musik und in der Literatur kennt er sich bestens aus. Doch wenn's drauf ankommt, zitiert er eben nicht nur anspielungsreich aus "Moby Dick", sondern kann mächtig zulangen, und wenn's nötig ist, sogar einer Frau schöne Augen machen.

Diesmal geht's mit Karacho und Warp-Antrieb zurück in die Vergangenheit. Vom 24. ins 21. Jahrhundert, dabei mittenmang durch einen Zeitwirbel und durch 'ne Menge "chronometrischer Partikel". Gegner sind die Borgs, eine seltsame Mischung aus ganz normalen Aliens, Computerwesen und außerirdischen Ameisen, die von einer wirklich bezaubernden und keinesfalls fetten Königin (Alice Krige) angeführt werden. Und die es fast schafft, unserem netten Enterprise-Androiden Data (Brent Spiner) mit analogen Mitteln den digitalen Kopf zu verdrehen.

In dieser achten Folge der Star-Trek-Reihe haben sich die Borgs also einen ganz schlimmen Plan ausgedacht: Sie wollen durch einen Angriff in der Vergangenheit die Gegenwart samt Zukunft zu ihren Gunsten verändern, die gute alte Erde und ihre Bewohner assimilieren. Und ihr Ziel ist der legendäre und ständig betrunkene Wissenschaftler Cochrane (James Cromwell), der im Jahre 2063, kurz nach Ende des Dritten Weltkrieges (!), gerade dabei ist, den von ihm erfundenen Warp-Antrieb zu testen. Eine bekanntlich bahnbrechende Entdeckung, die dann zum ersten Kontakt mit Außerirdischen vom Stamme der Vulkanier (Spock läßt am Schluß grüßen) führt, was wiederum die Menschheit zum Positiven verändert und so weiter und so weiter.

Doch keine Angst, die Geschichte mag verwirrend klingen, aber Regisseur Jonathan Frakes hat sie in sich so logisch aufgebaut, dass man selbst ohne intime Star-Trek-Kenntnisse nie den Durchblick verliert. Zwar verstehen die zahlreichen Anspielungen und Zitate nur die Trekkies im Kino, aber der ohne großes Getöse tobende Kampf zwischen Gut und Böse ist so spannend und so witzig inszeniert, dass sich die Reise in die unendlichen Weiten des Weltalls für jeden Science-Fiction-Freund lohnt. - Nur der Tod der hübschen Borg-Königin, die am Ende notgedrungen pulverisiert wird, hätte uns der Regisseur lieber ersparen sollen.

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