Ernst Corinth über Flucht aus L. A.

Heute geht's ins Jahr 2013: Die USA werden von einem Präsidenten regiert, der schrecklich bigott, ein Oberschurke und ein wenig blöd ist. Wer als Bürger "unmoralisch" handelt, fliegt raus, landet dann in Los Angeles, das sich nach einem heftigen Erdbeben in eine Insel verwandelt hat. In dieser Strafkolonie, die in John Carpenters "Flucht aus L. A." ausschaut wie ein von Punks der 90er und Motorradrockern der 70er Jahre bewohnter Schrottplatz, regiert das Gesetz der Straße. Es wird gemeuchelt, gehurt, gesoffen und vor allem geraucht.

Kurzum: eine schöne Kulisse für "Snake Plissken" alias Kurt Russell, der dort abgesetzt wird, um einem durchgeknallten Mini-Che-Guevara mit Weltmachtsansprüchen eine Wunderwaffe zu klauen. Doch wer als Zuschauer nun ein seriöses Actionabenteuer oder gar eine hübsche kulturpessimistische Fortsetzung des 15 Jahre alten "Klapperschlangen"-Kultfilms erwartet, der sitzt mit seinen verkopften Ansprüchen im falschen Kino.

Was Carpenter inszeniert hat, ist nämlich "nur" ein höllischer Spaß, der nichts, niemanden und noch nicht einmal sich selber ernst nimmt. Utopien, positive oder negative, sind für den Regisseur offenbar der letzte Kinoschrott. Und genauso schaut sein Film dann auch aus: Die Spezialeffekte unterschreiten locker das Niveau der fünfziger Jahre. Der Held, der sich ständig anhören muß, dass er im Fernsehen größer wirkt als im wirklichen Leben, ist schweigsamer als Opa Django. Hollywood ist nur noch Müll. Und um die abgesoffene Traumfabrik herum, herrscht eine raucherfreie Erziehungsdiktatur.

So endet der Film konsequent mit einem Bekenntnis zum "American Spirit". Dem Namen einer Zigarette, die Snake Plissken am Schluß genüßlich raucht, bevor er den finalen Knopf drückt und grinsend unsere Zivilisation zurück in die Steinzeit schickt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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