Karsten Schulmann über Flucht aus L. A.

John Carpenters letzte Arbeiten ließen ein bißchen die Suggestiv-Kraft vermissen, die seine Klassiker - "Halloween", "The Fog" und wie sie alle hießen - auszeichneten. Ein weiterer klassischer Carpenter, der den Weg zum Kult schaffte, war "Die Klapperschlange". Jetzt, 15 Jahre später wollten Regisseur Carpenter und Hauptdarsteller Kurt Russell es wagen, eine Fortsetzung des Kassenschlagers aus dem Jahre 1981 drehen. Ein gewagtes Unterfangen, was viel zu oft, an den Erwartungen des Publikums gemessen, nicht funktioniert.

Amerika im Jahre 2013. Snake Plissken ist Gefangener der Regierung und soll auf die Gefängnisinsel L.A., die seit einem Erdbeben vom Festland abgeschnitten ist, deportiert werden. Sein Glück ist, dass die Präsidententochter mit einer wichtigen Diskette verschwunden ist und sich in L.A. aufhält. Snake erhält von Malloy (Stacy Keach) den Auftrag, die Tochter samt Diskette "wiederzubeschaffen", worauf ihm Freiheit versprochen wird. Um ihn ein bißchen zu motivieren, wird ihm ein Designer-Virus gespritzt, der ihn innerhalb weniger Stunden töten wird, wenn er nicht ein Serum erhält, was ihm aber bis zur Rückkehr vorenthalten wird. So macht sich Snake auf den Weg und begegnet dabei zahlreichen zwielichtigen Gestalten ...

Der Versuch, das Original zu erreichen, beschränkt sich darauf, das Drehbuch des ersten Teils zu nehmen, ein paar Personen und Gegenstände auszutauschen und dem Publikum diesen Mischmasch wieder zu präsentieren. Kein Wunder, denn die Autoren haben so klingende Namen wie John Carpenter, Debra Hill und Kurt Russell - das Triumvirat, welches den ersten Teil zu einem Riesenerfolg machte liefert hier nur einen müden Abklatsch.

Die ewig heisere, monotone Stimme des Protagonisten, die seine "Coolness" bezeugen soll, geht einem nach der Hälfte des Films ungeheuer auf die Nerven. Die digitalen Spezialeffekte des Filmes sind - gelinde ausgedrückt - unter aller Sau. So ziemlich das schlechteste, was man in der letzten Zeit vor die Nase gesetzt bekommen hat. Das Budget von knapp 50 Millionen Dollar ist auch nicht mal ansatzweise im Film zu entdecken. Die Witze sind platt und vorhersehbar - und die einzig gute Pointe wird in den zahlreichen Kino- und TV-Trailern so plattgewalzt, dass sie jeder schon kennen dürfte. Der Auftritt des eigentlich hervorragenden Schauspielers Steve Buscemi ("Living In Oblivion", "Fargo") wurde dann konsequenterweise auch in den Sand gesetzt. Hochachtung verdient jedoch meiner Meinung nach die Szene mit den "Schönheits-Fanatikern" - eine bitterböse satirische Einlage auf den Schönheitswahn der Amerikaner, mit fantastischen MakeUp-Effekten und einem herrlich agierenden Bruce Campbell, den man unter den ganzen Latex-Schichten gar nicht mehr wieder erkennt. Aber das war es auch schon ...

Fazit: Das Geld lieber auf so einen schicken Ledermantel sparen, wie ihn Snake trägt. Da hat man mehr davon. Mir stellt sich nun langsam die Frage, ob man John Carpenter - so sehr ich ihn auch bewundere - die Regie-Lizenz entziehen sollte ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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