Bösewichter
leben länger. Vor allem in amerikanischen Actionthrillern
haben sie wenigstens zwei, meist sogar drei Leben. Und das hat
natürlich dramatische wie dramaturgische Folgen: Da hat der
brutale Mörder also endlich ins Gras gebissen, das arme
zumeist weibliche Opfer sinkt gerade in die Arme ihres strahlenden
fast immer männlichen Helden, alles scheint gut zu sein, nur
noch das frisch gehißte Sternenbanner vorm finalen Abendrot
fehlt - und plötzlich bewegt sich der zuvor, je nach
Temperament des Regisseurs, zermatschte, zerschossene oder
zerquetschte Schweinekerl, grinst kurz, fletscht die Zähne und
fällt schon wieder in Zeitlupe über das Objekt seiner
mörderisch-perversen Begierde her.
Das ist und bleibt so, auch wenn's zunehmend langweilt. Und die beiden Helden in Kevin Hooks' Film, die vor Gott, der Polizei und der Mafia fliehenden Sträflinge Piper (Laurence Fishburne) und Dodge (Stephen Baldwin), hätten es als alte Cineasten, die sie offenbar sind, eigentlich wissen müssen und wären dann im großen Finale von dem Oberschurken, der mittels eines Hubschraubers äußerst elegant ihre Seilbahn kapert, nicht so bös' überrascht wurden. dass dieser Halunke das zehnte (oder war es gar das 20.) Feuergefecht überhaupt überlebt und dass die Hundertschaft an Polizei, die daran heftigst beteiligt war, den scheintot am Boden Liegenden auch noch übersehen hat, ist zwar völliger Unsinn, paßt aber gut in diesen Film. Denn in "Fled" geschieht wirklich alles nach Plan. Alles hat man dutzendfach schon einmal gesehen. Und alle sind wieder mit von der Partie: Der nette ehrliche Bulle von nebenan, das schwarzweiße Kumpelpärchen, der korrupte Mann von der Bundespolizei, eine hübsche Frau, die dran glauben muß, und die kubanische Mafia, die im amerikanischen Kino mittlerweile die gleiche Rolle spielt wie ihre russische Filiale im deutschen TV. Dies alles und noch ein
bißchen mehr hat der Regisseur recht routiniert zu einer
halbwegs unterhaltsamen Geschichte zusammengeschustert, die leider
genauso ausgeht, wie man es bereits nach fünf Minuten erwartet
hat.
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Bösewichter
leben länger. Vor allem in amerikanischen Actionthrillern
haben sie wenigstens zwei, meist sogar drei Leben. Und das hat
natürlich dramatische wie dramaturgische Folgen: Da hat der
brutale Mörder also endlich ins Gras gebissen, das arme
zumeist weibliche Opfer sinkt gerade in die Arme ihres strahlenden
fast immer männlichen Helden, alles scheint gut zu sein, nur
noch das frisch gehißte Sternenbanner vorm finalen Abendrot
fehlt - und plötzlich bewegt sich der zuvor, je nach
Temperament des Regisseurs, zermatschte, zerschossene oder
zerquetschte Schweinekerl, grinst kurz, fletscht die Zähne und
fällt schon wieder in Zeitlupe über das Objekt seiner
mörderisch-perversen Begierde her.