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Da hat die Welt ja noch mal Schwein gehabt. Zwar hat's New York, Los Angeles, Washington und ein paar andere Großstädte auf diesem Globus fürchterlich erwischt. Woraufhin die amerikanische Baseball-Liga wohl eine Saison aussetzen, Hollywood gar eine längere Drehpause einlegen und der Spielplan der deutschen Bundesliga bestimmt umgeschrieben werden muß. Aber trotz solcher schlimmen Katastrophen siegt auch in Roland Emmerichs Kinospektakel am Ende natürlich das Gute. Also die Menschheit unter der Führung eines netten amerikanischen Präsidenten.Denn irgendwie ticken die Außerirdischen nicht richtig. Da reisen sie mit einem gigantischen Raumschiff kreuz und quer durch das Universum, sind bestens ausgerüstet, können sogar Gedankenlesen, doch an ein simples Virenschutzprogramm für ihren Zentralcomputer haben die Schlabbermäuler nicht gedacht. Und solche Dummheit gehört bestraft. Auch sonst scheinen diese Kerle, deren äußere Erscheinung Emmerich offenbar direkt aus den Comic-Heften seiner schwäbischen Schulzeit abgekupfert hat, nicht besonders klug zu sein. Zumindest rhetorisch sind sie echte Flachmännner, die zu allem Überfluß gräßlich stinkend daherkommen, wenn sie nicht gerade in kleinen grauen fliegenden Kampfuntertassen herumflitzen, die erstens mindestens 50 Jahre alt sind und zweitens jedem billigen Computerspiel gut zu Gesicht stünden. Der Plan dieser intergalaktischen ,,Wanderheuschrecken'' ist übrigens recht einfach: Sie wollen unseren Planeten ausräubern, sich die schmierigen Leiber vollhauen und nach Vollzug der bösen Tat zum nächsten Planeten weiterdüsen. Und dabei gehen sie vor wie Berti Vogts und seine EM-Kicker: Aus der Leere des Raumes tauchen sie plötzlich auf, stellen danach (rund um unsere Erde) die Räume zu, tändeln ein wenig herum, um im entscheidenden Moment dann gnadenlos zuzuschlagen. Neben solchen überraschenden Parallelen ist vor allem auffällig, wie ausgewogen und politisch korrekt der deutsche Hollywood-Regisseur bei der Aufstellung seines Teams vorgegangen ist. Ob der Zuschauer nun Schwarzer oder Schwuler, Jude oder Italiener, Araber oder Alkoholiker ist - in diesem Spektakel wird er sich gewiß in einem der Akteure wiederfinden. Nur Frau darf er nicht sein. Es sei denn, er verspürt einen Hang dauernd Helden mütterlich zu betüdeln. Doch was soll das Genörgel? "Independence Day" kommt beim Publikum an, zählt schon jetzt zu den erfolgreichsten Produktionen aller Zeiten. Und wer mal Spaß an Katastrophenfilmen der fünfziger oder frühen sechziger Jahre gehabt hat, der wird auch an dieser High-Tech-Version des guten alten Genres seine Freude haben. Denn Emmerich, der scheinbar bei seinem mißratenen "Universal Soldier" und seinem albernen "Stargate" nur geübt hat, beherrscht mittlerweile sein Handwerk so perfekt und spielt dabei so brillant mit den Gefühlen der Zuschauer, dass selbst harte Jungs im Kino feuchte Augen bekommen. Da opfert beispielsweise ein abgerissener Vietnamveteran für die Zukunft seiner armen Kinder heroisch Leib und Seele oder vor dem "größten Luftkampf in der Geschichte der Menschheit" hält der "Mister President" eine Rede, wie sie pathetischer (aber keineswegs dumpfbackig patriotisch) wirklich nicht mehr ausfallen kann. Dann steigt er selbst in ein Flugzeug und stürzt sich mutig in das Getümmel. Und natürlich dürfen ein paar nette Gags nicht fehlen. Sie liefert besonders der schwarze Rap-Musiker Will Smith, der nach "Harte Jungs" nun als Captain Steven Hiller seinen zweiten großen Leinwandauftritt hat. Bill Pullman ist als Präsident dagegen wieder so lieb wie zuvor in "Während Du schliefst". Und auch Jeff Goldblum kann als jüdischer Computerfreak tatsächlich gegen das laute Getöse der wirklich beeindruckenden Spezialeffekte anspielen.
Alles in allem sollte man diesen Film also nicht zu ernst nehmen. Schließlich will Roland Emmerich seine Zuschauer "nur" unterhalten und genau das ist ihm mit "Independence Day" prächtig gelungen.
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