Vor einigen Jahren
fand der altgediente Produzent Marvin Worth, es sei an der Zeit,
mal einen Thriller zu drehen: "In diesem Genre hatte ich bisher
nicht gearbeitet, also fing ich an, Ideen für die Handlung zu
entwickeln. Ein Storyentwurf handelte von einer Ehefrau und einer
Mätresse, die sich zusammentun, um ihren Mann/Geliebten
umzubringen. Dann erinnerte ich mich an 'Die Teuflischen', den ich
viele Jahre zuvor gesehen hatte. Also habe ich mir die Cassette
ausgeliehen und angeschaut: Ich war überrascht, wie gut der
Film immer noch funktioniert. Ich ließ mich wieder auf die
falsche Fährte locken! Allerdings fand ich, dass man die
Figuren, ihren Charakter und ihre Motivation intensiver ausloten
sollte."
Für die moderne Bearbeitung des Stoffes engagierte Worth Don Roos, der den Thriller "Single White Female" (Weiblich, ledig, jung sucht...), aber auch "Boys on the Side" (Kaffee, Milch und Zucker) und "Love Field" (Love Field - Liebe ohne Grenzen) geschrieben hat: alles Geschichten mit starken, sehr gut ausgearbeiteten Frauenfiguren. Roos: "Ich kannte das französische Original nicht, oder nur dem Namen nach. Als ich es mir dann ansah, war ich hellauf begeistert: Die Beziehung zwischen den beiden Frauen bewegt, ja fasziniert mich. Und die Handlung funktioniert hervorragend." Regisseur Jeremiah Chechik übernahm das Projekt, "weil mir die Story gefiel. Und es ist interessant, einen Thriller zu machen, der von einer starken Handlung angetrieben wird und trotzdem Zeit für komplexe Psychologie findet. Außerdem wollte ich schon immer einen Film über die Beziehung zweier Frauen machen." James G. Robinson, Vorsitzender und Manager der Morgan Creek Productions, stieg in das Projekt mit ein, weil er wußte, dass die weiblichen Spitzenstars sich um diese starken Frauenrollen reißen würden. "Die Geschichte ist wirklich ungewöhnlich, voller unerwarteter Wendungen," sagt er. "Der Mord geschieht schon am Anfang, und wir wissen sofort, wer es war. Die eigentliche Geschichte fängt erst nachher an. Und es ist sehr spannend, dieser Entwicklung zuzuschauen. Die Rollen sind einfach zu gut, als dass man sie ablehnen könnte." Casting "Vor allem mußten wir die Story und die handelnden Personen an die 90er Jahre anpassen," sagt Robinson, "und unter dem Aspekt der 90er Jahre denkt jeder sofort an Sharon Stone. Sie verkörpert perfekt die 90er und ist für die Nicole die Idealbesetzung. Und plötzlich war uns klar, dass Isabelle Adjani unbedingt ihre Gegenspielerin darstellen mußte."
Nicht nur in Frankreich hat sich Isabelle Adjani den Respekt und die Gunst des Publikums erworben. Viermal gewann sie den Cesar, zweimal wurde sie in der Kategorie Beste Darstellerin für den Oscar nominiert. Mit dem bewegenden Porträt der Titelrolle in Frt Stone, "und ich rief ihn immer wieder an und wollte wissen, wann er mir endlich einen Stoff anbieten würde. Als er dann endlich anrief und sagte: Ich mache 'Diabolique', sagte ich sofort: Ich bin dabei! Ich habe nicht mal das Drehbuch abgewartet. Ich kannte das Original und ging einfach davon aus, dass ich Nicole spielen würde." Stone beschreibt Nicole als "clever, schlagfertig, reizbar und empfindlich. Im Grunde sehnt sie sich nach Zuneigung, nach Seelenfrieden. Isabelles Rolle, die Mia. ist wohl am Anfang eine verzweifelte, gebrochene Frau. Aber in gewisser Weise findet sie ihren Seelenfrieden, weil sie Gott findet." Bei der Besetzung der Mia Baran ging es den Filmemachern um einen Ausgleich und einen Gegenpol. Checkik: "Als wir überlegten, welche Frauen Sharon auf sehr viel sanftere Art und Weise Paroli bieten könnten, fiel uns sofort Isabelle Adjani ein." "Ein ideales Gleichgewicht," fügt Marvin Worth hinzu, "Isabelle ist mit völlig anderen Rollen und Filmen bekannt geworden als Sharon; die eine ist sehr blond, die andere sehr dunkel, die eine wirkt irgendwie introvertiert, die andere steht voll im Leben."
"Ich glaube, Nicole und Mia erleben etwas, was man in der Psychologie eine neurotische Koppelung nennt," erklärt Stone, "denn die jeweiligen Neurosen der beiden schaukeln sich gegenseitig hoch. Aber es gelingt ihnen nicht, sich über ihre Gefühle füreinander klarzuwerden: Ist es Liebe, Begehren oder Haß?" "Es geht um zwei Frauen, die auf ihre Art sehr stark sind und Opfer der Umstände werden," definiert Chechik diese Beziehung, "und wie sie mit der Bedrohung umgehen, ist völlig verschieden. Zunächst erscheint Nicole als sehr aggressiv, intrigant, eine schillernde Figur. Mia dagegen ist schüchtern, sanft und passiv, sie leidet seit langem einsam vor sich hin. Doch im Verlauf der Handlung erleben wir mit, wie sich ihre Persönlichkeiten praktisch austauschen. Im Grunde geht es in diesem Film um zwei absolut gleichwertige Star-Rollen. Es gibt in diesem Film keine blassen Frauenfiguren." "Als Jeremiah mir 'Diabolique' anbot," fährt Adjani fort, "war mein Interesse sofort geweckt, denn mir gefiel sein Film 'Benny & Joon' in seiner filigranen Einfachheit sehr gut. Und irgendetwas an dem Film, vielleicht seine Menschlichkeit, erinnerte mich sehr an die Filme von Francois Truffaut." "Ich würde 'Diabolique' als feministischen Thriller beschreiben," meint Adjani, "wunderbar finde ich die Tatsache, dass die beiden sich nicht mit ihrer Opferrolle abfinden: Sie machen sich ihre Gefühle bewußt und loten ihre Bedürfnisse für ein besseres Leben aus." Die Starbesetzung wird abgerundet durch bekannte Darsteller wie Chazz Palminteri als der brutale Ehemann und Liebhaber und Kathy Bates als die Detektivin, die nach dem verschwundenen Guy sucht. Sharon Stone kam als erste auf die Idee, Palminteri für die Rolle des Guy zu engagieren. "Sharon warf den Namen in die Runde, und wir waren alle begeistert," sagt James Robinson. Checkik kann dem nur beipflichten: "Ich suchte einen Schauspieler, der mit genug Kraft, Charisma, unterschwelliger Brutalität und Originalität an den Start geht, um es mit diesen beiden sehr starken Frauen aufzunehmen. Chazz Palminteri begeistert uns mit jedem neuen Film mehr. In jeder Hinsicht war er für Guy die perfekte Wahl. Er hat die Statur, er sieht gut aus, und er verstand die Dynamik im Zusammenspiel der Rollen. Jeder nimmt ihm ab, dass beide Frauen in seinen Bann geraten sind. Chazz hat großes Talent."
"dass Kathy Bates die Rolle der Shirley übernahm, empfand ich wie ein Geschenk des Himmels," erzählt Chechik begeistert, "sie gehört zu Amerikas Top-Schauspielerinnen. Damit hatten wir eine weitere kraftvolle Darstellerin, die die dritte starke Frauenrolle übernahm. Wenn also Shirley die Bildfläche betritt und sich mit Mia und Nicole auseinandersetzt, könnte es gar nicht aufregender werden." "Shirley hat gesundheitliche Probleme," beschreibt Worth die Rolle, "und dadurch fühlt sie sich nur noch als halbe Frau. In ihrem früheren Beruf als Kriminalistin wird sie aufgrund dieses Umstands als nicht mehr vollwertig eingestuft. Deswegen will sie erst recht beweisen, dass sie durchaus noch nicht zum alten Eisen gehört. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, hat eine scharfe Zunge und durchaus unkonventionelle Ansichten: Eine tolle Rolle. Und Kathy spielt sie bis zum Anschlag aus." Am Drehort Es gab nur einen Grund, Pittsburgh zum Zentrum der Dreharbeiten zu machen: Die Entscheidung, St. Philomena zum Internat des Films zu machen. Im Film heißt die Schule "St. Anselm", und in ihr spielt ein Großteil der Handlung. "Das Drehbuch enthält exakte Vorhaben für den Schauplatz," erklärt Marvin Worth, "die Schule mußte so aussehen wie ein ehemaliges katholisches Kloster. Wir benötigten also religiöse Motive in der Architektur und Mauerwerk im europäischen Baustil." "Die Anforderungen an den Schulschauplatz sind äußerst spezifisch," fügt Produktionsdesigner Leslie Dilley hinzu, "wir benötigten Räume mit Blick auf den Pool, die wir als Klassenzimmer verwenden konnten. dass wir den Swimming-pool selbst bauen mußten, war uns von vornherein klar. Aber Platz dafür mußte natürlich vorhanden sein. Und von dort mußte man den Eingang und die Auffahrt einsehen können. Abgesehen vom Pool war alles vorhanden - außer dem Haupteingang und der Auffahrt. Also habe ich vor den Seiteneingang des Gebäudes eine Haupteingangsfassade gebaut. Und davor gestaltete ich eine kreisförmige Auffahrt. Den Pool haben wir an einer Stelle plaziert, die aus den Schlaf-, Wasch- und Klassenräumen eingesehen werden konnte. dass die Schule äußerst geräumig ist, erwies sich als ebenso günstig wie der als Sporthalle ausgebaute Dachboden. Wir haben ihn also in ein 'Studio' umgebaut, den Boden abgedeckt, die Basketballkörbe abgenommen. Stattdessen bauten wir das Badezimmer der Barans auf, aber auch Schlafzimmer, Lehrerzimmer und Flure - die meisten Sets, die wir extra errichten mußten." Die zwei anderen Schauplätze waren die Außenansicht und die Innenräume von Nicoles Wohnung in Pittsburgh. "Für das Äußere suchten wir uns ein spätviktorianisches Haus unter einer Brücke aus," erklärt Dilley, "dadurch signalisierten wir sofort: Hier ist Pittsburgh. Nur in Venedig gibt es mehr Brücken als dort. Das Innere der Wohnung haben wir im Studio nachgebaut. Die wichtigste Szene in dieser Wohnung spielt natürlich im Badezimmer. Voraussetzung dafür war, dass die gesamte Crew guten Zugang hatte. Deshalb haben wir alle Wände als 'wild' (herausnehmbar) konzipiert. Um die Badewanne und vor allem auch die Kiste, in der die Leiche transportiert wird, groß genug zu machen, gingen wir von einem 1,80 m großen Darsteller aus. Denn damals wußten wir noch nicht, wer die Rolle übernehmen würde. Chazz ist sogar noch größer, so dass er wirklich nur ganz knapp hineinpaßte." Zurück zum Glamour "Diabolique" stellt in Jeremiah Chechiks Augen die Rückbesinnung auf den Glamour der Hollywood-Filme einer vergangenen Ära dar. "Sharon ist ein Filmstar im Sinne der klassischen Hollywood-Zeit," sagt Chechik, "sie und Isabelle sind außergewöhnlich schön. Also habe ich auch die Kamera und die Kostüme eingesetzt, um dem Film eine Art Glanz zu verleihen, wie ihn die Filme der 40er und 50er Jahre hatten - im Stil der französischen und italienischen Vogue." "Für mich war es eine besondere
Ehre, so wunderschöne Frauen zu filmen," meint Kameramann
Peter James, "und wenn Isabelle und Sharon gleichzeitig im Bild
sind, ist das ein Fest fürs Auge. Wir haben ein sehr intensiv
strahlendes Licht verwendet, durch das die Iris der Augen besonders
hervorgehoben wird. Das verleiht dem Auge ein gewisses Etwas, das
es äußerst vorteilhaft erscheinen läßt.
Isabelle sieht aus, als ob sie von ihnen erleuchtet wird, als ob um
sie herum keine Schatten existieren. Sie hat eine sehr helle
Gesichtsfarbe, die sie mit einem inneren Glanz quasi zum Strahlen
bringt. Sharon ist an sich schon ein Filmstar, der für Glamour
steht - sie ins Bild zu setzen, ist einfach atemberaubend. Ihr
Gesicht ist traumhaft schön gemeißelt und nimmt das Licht
wunderbar auf. Irgendwie so, als ob George Hurrells Fotos zum Leben
erwachen würden."
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Vor einigen Jahren
fand der altgediente Produzent Marvin Worth, es sei an der Zeit,
mal einen Thriller zu drehen: "In diesem Genre hatte ich bisher
nicht gearbeitet, also fing ich an, Ideen für die Handlung zu
entwickeln. Ein Storyentwurf handelte von einer Ehefrau und einer
Mätresse, die sich zusammentun, um ihren Mann/Geliebten
umzubringen. Dann erinnerte ich mich an 'Die Teuflischen', den ich
viele Jahre zuvor gesehen hatte. Also habe ich mir die Cassette
ausgeliehen und angeschaut: Ich war überrascht, wie gut der
Film immer noch funktioniert. Ich ließ mich wieder auf die
falsche Fährte locken! Allerdings fand ich, dass man die
Figuren, ihren Charakter und ihre Motivation intensiver ausloten
sollte."
Sharon Stone gewann
1996 den Golden Globe für ihre Rolle in Martin Scorseses
"Casino" (Casino), der ihr ebenfalls eine Oscar-Nominierung
einbrachte. Seit "Basic Instinct" (Basic Instinct), einem der
Kassenschlager des Jahres 1992, ist sie ein Superstar, um den sich
alle großen Studios reißen.
"Ich wußte
nicht, ob sie sich überhaupt für einen amerikanischen
Film interessieren würde," sagt Chechik, "und deswegen war ich
natürlich begeistert, als sie das Drehbuch anforderte. Sie
signalisierte dann, dass es ihr sehr gut gefiel; wir trafen uns in
Paris, und sie sagte zu. Wir hatten das große Glück, dass
eine der besten Schauspielerinnen der Welt sich bereit
erklärte, Mia zu spielen."
"Guy ist zwar nicht
dauernd auf der Leinwand präsent," sagt Palminteri, "aber wenn
er nicht da ist, reden die anderen nur von ihm. Und mir war sofort
klar, dass die Rolle im Film sehr viel umfangreicher erscheint als
im Drehbuch. Guy ist der Motor, der den Film antreibt - ein
klassischer Bösewicht: charmant, aalglatt, ein
Ränkeschmied. Aber sein extremes Verhalten macht ihn fast zu
einem Außenseiter. Fast besteht er aus zwei
Persönlichkeiten: von einem Moment zum anderen läßt
er seine charmante Maske fallen und wird zudringlich und brutal. Er
weiß genau, wie er Frauen für seine Zwecke einsetzt. Mein
größtes Problem dabei war, ihn sympathisch darzustellen.
Denn wenn er wirklich so ekelhaft wäre, warum würden die
Frauen ihm dann reihenweise zu Füßen liegen? Es steckt
eben ein weiterer Aspekt in ihm, ein kleiner Junge, der die Frauen
sofort entwaffnet - und dann ist es zu spät."