Ernst Corinth über Eraser

Tom Cruise kann einpacken. Gegen Arnold Schwarzenegger schaut der smarte Jüngling nicht nur blaß aus, sogar sein aktuelles Leinwandabenteuer "Mission: Impossible" ist im Vergleich zu Arnolds "Eraser" bloß die Hälfte wert. Frauen mögen das vielleicht anders sehen, aber von Action-Filmen haben sie als Vertreter des klügeren Geschlechts sowieso keine Ahnung. Genau wie all die feinsinnigen Zeitgenossen, die stets haarsträubend die fehlende Meta-Ebene von Beiträgen dieses Genres beklagen, um sie kurz danach dann glatzekraulend für ihre zwanghafte Kritik wie ein Kaninchen aus dem Hut hervorzuzaubern.

Aber wer kein Weichei ist, im Kino vor allem auf Spaß, Aktion und Spektakel setzt, der bekommt genau das mit "Eraser" geliefert: Arnold ist also wieder da, voll in seinem Element und seine arg mißlungenen Ausflüge in das Reich der Komödie ("Kindergarten Cop" oder "Junior") sind schnell vergessen.

In Charles Russells Film spielt er den Federal Marshall John Kruger, der aussagewillige Verbrecher oder anständige, jedoch bedrohte Staatsbürger im Rahmen des US-Zeugenschutzprogrammes betreut. Wobei "betreuen" eine freundliche Umschreibung ist für: "Bösewichter plattmachen". Denn wer es wagt, sich ihm in den Weg zu stellen, sollte sich vorher schon mal ein nettes Plätzchen auf dem nächsten Friedhof ausgucken. Gegen John Kruger hat nämlich keiner den Hauch einer Chance. Der Kerl ist schließlich so gut wie unverletzbar.

Ob ihm nun in einer Szene die linke Schulter durchschossen wird oder ob in einem anderen Gemetzel Metallsplitter seine rechte Hand durchbohren und am Fußboden festnageln, er schüttelt solche Banalitäten einfach ab und schlägt kurz danach schon wieder mächtig zu. Die Logik haut sich in diesem Film halt zwei Stunden lang aufs Ohr, Fragen werden nicht gestellt, Arnolds Job ist eindeutig: Er soll die hübsche Kronzeugin Lee Cullen (Vanessa Williams) beschützen, die einer schrecklichen Waffenschieberei auf die Spur gekommen ist, jetzt von schlimmen Ganoven und von einem noch schlimmeren Polizisten (James Caan) gejagt wird.

Am Ende bringt Arnold die Bösen natürlich alle zur Strecke und macht dabei klar, dass das Wörtchen "Eraser" mehr bedeutet als das "Auslöschen" von Computerdateien. Doch nicht nur der kuriose Schluß wird unter Actionfans für genug Gesprächsstoff sorgen. Es gibt zumindest noch eine weitere Szenen, die - wie zuletzt in "True Lies" die Atombombenexplosion oder das tödliche Geturne auf den Tragflächen eines Kampfflugzeuges - wohl unvergeßlich bleiben wird.

Zwar ist James Bond schon mal einem Fallschirm hinterher gesprungen und hat ihn auf dem Weg nach unten rechtzeitig wieder eingeholt. Aber bei einem solchen Sturzflug sich zwischendurch mit einer ausgewachsenen Boeing 727 anzulegen, hat zuvor noch kein Kinoheld gewagt.

Doch nicht nur solche absurd komischen Einfälle machen die Qualität eines Actionfilms aus, auch die Sprüche des heroischen Draufgängers sind für den Erfolg entscheidend. Und auch da hat "Eraser" einiges zu bieten. Gewiß, Schwarzenegger ist gewohnt wortkarg, mehr als zwei zusammenhängende Sätze schafft er bekanntlich nie, das ist bei anderen echten Männer ja genauso. Aber wenn er dann doch den Mund aufmacht, wird es gleich richtig lustig.

Wie er beispielsweise seinem weiblichen Schützling in größter Not bloß "Vertrau mir" zu nuschelt, ist gut. Wie er nach dem Kampf mit einem fürchterlichen Krokodil (!) zu dem toten Ungeheuer sagt: "Jetzt bist du ein Koffer", ist sogar noch besser. Und sein finaler Ausspruch in Richtung der erschrockenen Oberschurken: "Ihr seid gerade ausgelöscht worden" ist der absolute Gipfel seiner ausgefeilten rhetorischen Kunst.

Zwar reicht der Film nicht an James Camerons genialen "Terminator 2" heran, obwohl John Kruger hier wie ein fast menschlicher Zwillingsbruder dieser legendären Science-Fiction-Kampfmaschine agiert. Aber dennoch beweisen Charles Russell und sein Star Schwarzenegger mit "Eraser", dass das Action-Genre, wenn es sich selbst nicht mehr Ernst nimmt, noch einiges zu bieten hat: Wommm!

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