Ernst Corinth über Blood And Wine

Wenn der Nicholson zweimal grinst, ist sofort Gefahr in Vollzug. Auch in Bob Rafelsons neuem Thriller ist das nicht anders. Dort spielt Hollywoods bewährter Kinopsychopath einen heruntergekommenen Weinhändler, der finanziell so in den Miesen ist, dass er zusammen mit seinem alten Pokerfreund (Michael Caine) einen Juwelenraub begeht. Doch aus dem simplen Verbrechen wird plötzlich ein kompliziertes Familiendrama.

Dabei entwickelt sich zwischen Vater (Jack Nicholson) und Stiefsohn (Stephen Dorff) ein verbissener Zweikampf, den die beiden um zwei Frauen führen: um Mutter/Ehefrau (Judy Davis) und um eine junge Geliebte (Jennifer Lopez). Diesen Konflikt hat der Regisseur mit fast biblischem Ernst inszeniert. Alle seine Figuren stecken so tief in ihren jeweiligen Psychokisten, dass der Zuschauer leider ziemlich schnell ahnt, dass es für keinen der Akteure irgendeinen Ausweg geben wird.

"Blood & Wine'' ist gleichwohl ein handwerklich gekonnt inszenierter Thriller, dem stets anzumerken ist, dass Rafelson und Nicholson seit ,,Easy Rider'' schon ein halbes Hollywood-Leben zusammenarbeiten. Dies mag auch der Grund sein, dass man irgendwie das Gefühl nicht los wird, dass man die Geschichte schon ein Dutzend Mal zuvor im Kino gesehen hat. Denn wenn der Nicholson zweimal grinst, dann ...

Dirk Jasper FilmLexikon
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