Ernst Corinth über Cable Guy

Ob Jim Carreys Grimassierungskünste wirklich 20 Millionen Dollar wert sind, mögen andere entscheiden. In den USA floppte jedenfalls sein letzter Film, und auch bei uns wird sich bald herumsprechen, dass dieser nervensägende "Cable Guy" zwar von Carrey gespielt wird, aber dass bis auf die millionenschwere Gesichtsakrobatik nichts an seine alten Erfolge wie "Ace Ventura" oder "Dumm und Dümmer" erinnert. Leider.

Anfangs ist die Kinowelt noch in Ordnung: Da erscheint der Blödelstar als Kabelmann in der Wohnung des Maklers Steven (Matthew Broderick), albert gewohnt 'rum, verzieht sein Gesicht in alle Himmelsrichtungen, lispelt dabei ein bißchen arg übertrieben - und verschafft dem Steven nicht nur einen schönen Kabel-TV-Anschluß, sondern noch zusätzlich alle eigentlich kostenpflichtigen Spielfilmkanäle. Doch Chip, so heißt dieser Cable Guy, gibt sich nicht mit der dafür offenbar üblichen Bestechungssumme von 50 Dollar zufrieden. Er will mehr. Und zwar Stevens Freundschaft.

Das hat böse Folgen. Wie ein vom Elefanten mißhandelter Psychopath verfolgt der irre Kabelmann sein Ziel, arbeitet mit allen unmöglichen Tricks, belauert, bedroht und vernichtet beinahe sein umworbenes Opfer. Dabei hat sich Regisseur Ben Stiller zwar ein paar nette Gags einfallen lassen, besonders die TV-Parodien sind ganz hübsch, aber der Rest ist erstens ziemlich brutal (und auf keinen Fall für Kinder unter 12 Jahren geeignet!) und zweitens für Carrey mindestens eine schauspielerische Nummer zu groß.

Deutlich wird dies vor allem im - ach, du Schreck - pädagogischen Finale, das tödlich lächerlich daherkommt und so nur das alte Sprichwort vom Schuster, der bei seinen Leisten bleiben soll, bestätigt. Dann schon lieber: "Dumm und Dümmer, Teil 2".

Dirk Jasper FilmLexikon
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