Ernst Corinth über The Fan

dass Vertreter arme Kerle sind, weiß jeder Kinogänger. dass sie sich zuweilen sogar in Monster verwandeln können, die fürchterlich Amok laufen oder sonst irgendeinen Unsinn verzapfen, überrascht auch nicht. In Tony Scotts Film ist Gil (Robert De Niro) solch ein Vertreter: Seine Ehe ist kaputt, seinen geliebten Sohn darf er nicht mehr sehen, und dann verliert er seinen Job.

Kein Wunder, dass Gil sich in eine Scheinwelt flüchtet, nur noch für sein Baseball-Team und vor allem für Bobby (cool und arrogant: Wesley Snipes), dem neuen Star seiner San Francisco Giants, zu leben scheint. Als sein Idol in eine sportliche Krise gerät, weil ein Mitspieler ihm die Schau stiehlt, sich weigert das Trikot mit der Nummer 11 herauszurücken, die Bobby bei seinem alten Verein soviel Erfolg gebracht hat, leidet Gil natürlich schrecklich mit. Schließlich nimmt er, der ,,Fan'', die Sache selbst in die Hand, und das hat, wie man sich denken kann, tödliche Folgen.

Auch für Tony Scotts Film, der zwar bis zur Halbzeit ein ganz ansehnliches Psychogramm eines Verlierers abliefert, dann jedoch in der zweiten Spielhälfte offenbar jedes Interesse an seinem Helden verliert: Robert De Niro wirkt bei seinem blutigen Amoklauf bloß wie das grimassierende Klischee einer mörderischen Bestie, die man wirklich nur noch umlegen, abknallen oder sonst wie hinmeucheln kann. - Das ist nämlich die Moral von der Geschicht'. Und die ist ziemlich dämlich.

Dirk Jasper FilmLexikon
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