Gerhard Heeke über Mars Attacks!

'Mars Attacks' erschallt Tim Burtons neuester Schlachtruf von allen Kinoleinwänden. Der Regisseur, bekannt für seinen etwas anderen Geschmack, liefert diesmal eine etwas andere Version des Krieg der Welten ab. Und eines kann ich schon jetzt verraten: Sie wird nicht jedem gefallen.

Das Szenario ist bekannt aus vielen der 50er/60er Jahre SF-Filme. Untertassen vom Mars besuchen den Planeten Erde. Der Präsident (Jack Nicholson) versucht mit den fremden Wesen Kontakt aufzunehmen. Es gibt unerschrockene Reporter (Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox), die darüber berichten wollen. Weltfremde Professoren (Pierce Brosnan, diesmal recht kopflos, im wahrsten Sinne des Wortes), kriegerische Generäle (Rod Steiger) und schleimige Präsidentenberater (Martin Short). In diesem illustren Szenario fehlen jetzt nur noch die Aliens, die diesmal mit viel Witz computeranimiert wurden. Und schon ist das Chaos perfekt.

Ich sage jetzt sicherlich nicht zuviel, wenn ich erzähle das die Aliens so ziemlich das mieseste und gemeinste ist, was je aus den Tiefen des Weltraums auf unsere Kinoleinwände gebeamt wurde. Mit Hintertücke werden die Regierung und halbe Städte ausradiert. Wird es eine Rettung geben? Wird die alte Oma aus der tiefesten Provinz lange genug überleben? Es gibt noch Hoffnung ...

Der Film arbeitet auf mehreren Erzählebenen, die alle parallel verlaufen. In jedem dieser Handlungsstränge wird das Schicksal von bestimmten Personen erzählt. Manche dieser Handlungsstränge kreuzen sich dann mal auf halben Wege. Also ein recht klassisches Erzählkonzept, welches aus den frühen Katastrophenfilmen bekannt ist. Überhaupt werden recht viele Anleihen an die frühen Filme gemacht. Das fängt bei den Raumschiffmodellen an und hört irgendwo bei der Filmmusik auf. Alles mögliche wird zitiert, auf den Arm genommen oder veralbert.

Die Story ist - burtonmäßig - ziemlich abgehoben, wäre der Begriff 'Edel-Trash' nicht schon so verhunzt worden, wäre er hier sehr passend. Aber nicht nur die Geschichte ist toll (zumindest für die SF-Fans, die für eine 'Parodie' ihres Genres zu haben sind), sondern auch die Schauspieler. Nicht nur Jack Nicholson in seiner Doppelrolle, nein auch Pierce Brosnan oder Glen Close, als Präsidentengattin, sind sehenswert. Dies gilt aber ebenso für die anderen wie Martin Short oder Sarah Jessica Parker. Alle Beteiligten waren mit Spaß an der Sache dabei.

Auch die computeranimierten Aliens haben mir sehr gut gefallen. Sie sind nicht nur - dank Industrial Light&Magic - perfekt anmiert und in die Szene einmontiert, sondern haben auch ihren eigenen Witz und Charme.

Fazit: Schrille SF - Das Gegenstück zu ID4

9 von 10 Marsriegeln

Dirk Jasper FilmLexikon
© © 1999 Next Step Mediendienste GmbH