Gerhard Heeke über Bandits

Falls MTV und VIVA mal beschließen sollten gemeinsam einen Kinofilm zu drehen, käme sicherlich ein Film wie »Bandits« dabei raus. Ob einen ein solcher Film gefällt oder nicht, hängt - wie auch bei Bandits - davon ab, ob man die Musik mag.

Die »Bandits« sind eine Gruppe von Frauen (Katja Riemann, Nicolette Krebitz, Jasmin Tabatabai und Jutta Hoffmann), die wegen verschiedener Straftaten, im Knast einsitzen und dort eine Musikband gründen. Als sie bei einem Polizeifest spielen sollen, nutzen sie die Gelegenheit zu einer Flucht. Sehr schnell auf den Fersen ist ihnen der arrogante Kommissar Schwarz (Horst Jaenicke). Die Flucht wird von den Medien zu einem Großereigniss hochgepuscht. Die Flüchtigen werden zu Volkshelden. Die Sympathien der breiten Masse sind mit ihnen. So kommt es am Hamburger Hafen bei einem »schwarzen« Konzert zum Showdown.

Kamera und Schnittechnik bedienen sich der üblichen Musikvideoästhetik. Gut gefallen hat mir das nahtlose vermischen von Traum und Realszenen. Sie geben dem Film das gewisse etwas. Da die Hauptdarsteller durch die Bank recht gut sind, steht und fällt der Film allein mit der Musik.

Mir hat die Musik gut gefallen, dem entsprechend fand ich den Film auch ganz in Ordnung. Wer die Musik nicht mag, dürfte zu einem vernichtenderem Urteil kommen. Denn die Story ist sehr dünne und mag nicht über die 108 zu überzeugen (geschweige denn die Spannung zu halten). Und ob das Model Werner Schreyer in der Nebenrolle der Geisel richtig war? Schauspielern tut er jedenfalls nicht. Aber heute reicht es ja manchmal auch schon nett auszusehen.

Den Vergleich, denn einige mit dem Kultfilm »Blues Brothers« anstellen, halte ich jedenfalls (nicht nur musikalisch) für sehr gewagt. Mein Tip: Vorher den Trailer im Kino begutachten oder in die CD hineinhören, dann für oder gegen den Kauf der Kinokarte entscheiden.

Fazit: Fluchtfilm mit guter Musik

6 von 10 Flüchtigen

© Gerhard Heeke © 1999 Next Step Mediendienste GmbH