Thomas Neumaier über Am achten Tag

Frankreich/Belgien 1996
Regie: Jaco van Dormael

Pascal Duquenne (Georges), Daniel Auteuil (Harry), Miou-Miou (Julie), Isabelle Sadoyan (Georges' Mutter), Michele Maes (Nathalie), Laszlo Harmati (Luis Mariano), Fabienne Loriaux (Fabienne), Didier de Neck (Fabiennes Ehemann)

... schuf Gott Georges, und siehe es war gut. Es bedurfte schon eines besonderen Anlasses, dass Gott sich entschloß, noch einen Tag dranzuhängen an sieben Tage Schöpfung.

Denn Georges ist etwas ganz Besonderes. Da ist zum einen sein Lachen, strahlend und laut, einfach nicht zu überhören. Zudem sieht er irgendwie anders aus als alle anderen. Denn es gibt rote, schwarze, braune, gelbe und weiße Menschen, das scheint normal zu sein. Und solche wie ihn, die aussehen wie die Mongolen. Ob deshalb alle Normalen Angst vor ihm haben?

Und Menschen, die anders sind, haben ihre andere, eigene Welt und die ist natürlich ganz anders entstanden. Laut Georges schuf Gott das Licht, das Wasser, den Wind, das Gras und das Fernsehen, damit sich die Menschen dran erfreuen, denn wie heißt es doch: Und siehe es war gut.

Und was macht die undankbare Brut?

Vergißt doch glatt, das Leben zu genießen. Zieht es stattdessen vor, lieber jeden Tag im Stau zu stehen und sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem wirklich die Laune verderben können. Lange konnte das ja nicht gut gehen. Diese Erkenntnis dämmert so langsam auch Harry, der ob seiner täglichen Pflichten seine Familie und sein Lachen verloren hat.

Und so treffen sich diese beiden unterschiedlichen Typen schließlich, weil sie eines verbindet: die Sehnsucht nach ihrer Familie. Georges, auf der Suche nach seiner längst verstorbenen Mutter, und Harry auf der Suche nach sich selbst, die ihn zu seinen Kindern treibt. Bevor sich für beide ihr Herzenswunsch auf jeweils einmalige Weise verwirklicht, haben sie ein Stück Weg gemeinsam zu gehen, denn Harry hat viel zu lernen.

Zum Beispiel, dass man das Gras trösten muß, denn es tut ihm weh, wenn man es schneidet. Oder dass man selbst ein Baum wird, wenn man einen umarmt. Und natürlich, wieder zu lachen. Auch wenn es manchmal schwerfällt.

Seien wir dankbar, dass Gott sich noch einen Tag Zeit genommen hat. Denn mal ganz ehrlich: Was wären wir denn ohne Georges? Ohne unser Lachen, unsere Tränen, ohne unsere Träume, das Feuerwerk unserer Phantasie, unsere Kinder?

Dirk Jasper FilmLexikon
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