Gerhard Heeke über Sleepers

Als 'Sleeper' werden im amerikanischen Slang Jugendliche genannt, die für einen längeren Zeitraum in einer Jugendstrafanstalt waren.

Zu Sleepern werden auch die vier Freunden John, Shakes, Tommy und Micheal als sie im eines Tages bei einem Streich aus lauter Übermut zu weit gehen und einen Unschuldigen lebensgefährlich verletzen. dass sie aus dem heruntergekommen New Yorker Viertel "Hell's Kitchen" kommen, stimmt den Richter auch nicht gerade milde. Da sich aber der Gemeindepriester (Robert De Niro) für die Jungens eingesetzt hat, werden sie 'nur' zu ca. zwölf Monaten in einer Jugendstrafanstalt/Besserungsanstalt verurteilt. Dort werden sie von den Wärtern(!) auf das übelste verprügelt, vergewaltigt und gedemütigt. Sie werden zerbrochen. Einer der Jungs sehnt sich nachher nur noch danach einmal wieder in Ruhe und ohne Angst in seinem Zimmer schlafen zu können. Die grausamen Erlebnisse trennen die Jungen im späteren Leben. Sie sind zwar noch Freunde, halten aber nur noch lose Kontakt, weil das Grauen immer noch über ihnen schwebt. Zwei von ihnen wechseln zur Unterwelt und werden zu Gelegenheitskillern. Die anderen beiden gehen ehrlichen Berufen nach. Der eine wird sogar Staatsanwalt. Zur eigentlichen Bewährungsprobe der Freundschaft kommt es, als Tommy und John einen der Wärter (gespielt von Kevin Bacon) zufällig in einem Pub wiedererkennen. Sie erschießen ihn aller Öffentlichkeit. Ihr Ankläger wird ihr alter Freund Micheal (Brad Pitt), der zusammen mit Shakes (Jason Patric) an einem Plan arbeitet, der es ihnen ermöglichen soll, sich an all ihren Peinigen rächen zu können. Die Frage ist nur, wird der Priester mitspielen und trotz Schwur auf der Bibel einen Meineid leisten?

Zu diesem Film haben sich sowohl vor als auch hinter der Kamera die Größen Hollywoods versammelt. Mit Stars wie Robert De Niro, Dustin Hoffman (leider nur in einer kleinen Rolle), Bratt Pitt, Jason Patric, Kevin Bacon und Newcomern wie Brad Renfro, Minnie Driver wird ein wahres Feuerwerk an facettenreichem Schauspiel geboten. Dies ist auch notwendig. Denn der Regisseur Barry Levinson konzentriert sich auf die Personen, die Charaktere und nicht auf eine actionreiche Story. Er läßt Gesichter die Geschichten erzählen. Auch kleine Gesten und Handlungsweisen sind wichtig. Ich kann mich kaum an einen Film in der letzten Zeit erinnern, in der es solange und ruhige Schnittfolgen gegeben hat, so dass man sich als Zuschauer auch mal richtig auf das Schauspiel der Darsteller konzentrieren kann. Die Erzählweise wird noch durch die starken Kameraeinstellung des Kameramanns Michael Ballhaus (meiner Meinung nach z.Z. die Nr. 1) unterstützt. Aber auch die Filmmusik und der Ton(!) allgemein, wirken auf die Geschichte ein und transportieren Gefühle und Geschehnisse. Sicherlich soll dies immer die Aufgabe dieser Elemente der Filmsprache sein, aber leider wird dies nur selten so angenehm deutlich. Erfreulich finde ich ferner, dass es sich der Regisseur gespart hat, die Mißhandlungen zu zeigen. Der Zuschauer sieht nur wie übel die Jungs zugerichtet wurden, aber nie wie. Dies bleibt der Phantasie eines jeden einzelnen überlassen. Und die kann bekanntlich stärker als alle Bilder sein.

Mich hat die Story durchweg über die fast 150 Minuten des Films gefesselt. Kleinere Längen gibt es immer wieder einmal, die aber durch die Schauspieler mehr als nur wettgemacht werden. Die Geschichte soll im übrigen auf Wahrheit beruhen. So zumindest nach Aussage des Autors Lorenzo Carcaterras. Wer sich für den Originalroman interessiert, sollte sich die Ausgabe vom Goldmann Verlag besorgen. Laut den Informationen meines Buchhändlers gibt es auch eine Sleepers Ausgabe vom Bastei Verlag. Hierbei handelt es sich aber um ein typisches Buch zum Film.

Fazit: Spannender Film mit großartigen Schauspielern und hervorragender Inszenierung

9 von 10 Grafen von Monte Christo.

Dirk Jasper FilmLexikon
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