Rossini

• Inhalt • Darsteller, Regie, Stab • Filmkritiken • Bemerkungen • Interview mit Helmut Dietl •

Filmplakat
Filmplakat Titel Deutschland: Rossini
Genre: Drama
Farbe, Deutschland, 1997, FSK 16

Kino Deutschland: 1997-01-23
Laufzeit Kino: 114 Minuten
Kinoverleih D: Constantin Film

Videocover
Videocover Video Deutschland: 1997-07-30
Laufzeit Video: 110 Minuten
Anbieter: Starlight


Szenenfoto "Rossini" ist der Name eines italienischen Restaurants in einer deutschen Großstadt. Abend für Abend wird es frequentiert und dominiert von einer Abzahl illustrer Stammgäste, die bei aller Verschiedenheit eines gemeinsam haben: Sie sind einsame Menschen, "Singles" im soziologischen und seelischen Sinne, die ihr Lokal zum zweiten Zuhause machen.

Ganz ungeniert nutzen sie es als Erweiterung ihrer Wohnzimmer und ihrer Büros für private und geschäftliche Auseinandersetzungen, als Forum ihrer Selbstdarstellung und als Bühne ihrer erotischen Lust- und Trauerspiele - sehr zum Leidwesen des Wirts, der sich von seiner selbstherrlichen Klientel nur noch als Lakai behandelt fühlt.

Am Anfang des Films wird man mitten in die lärmende Welt des Restaurants geworfen - gleich einem Gast, der es zum ersten Mal betritt - und nimmt dabei die Protagonisten kaum mehr als nur kursorisch wahr. Im weiteren Verlauf lernt man diese Personen, ihre Probleme und ihr verwickeltes Verhältnis zueinander näher kennen:

So versucht die Journalistin Charlotte, den nervösen Allergiker Uhu Zigeuner zum Beischlaf zu verführen, weil sie ihren täglichen Orgasmus zur Migräne-Prophylaxe benötigt. Der Allergiker jedoch, ein Regisseur, kann ihr nicht dienlich sein, denn er hat Potenzprobleme, solange er keinen Film dreht, außerdem ist er magenleidend. Der Wirt Rossini, ein Frauenverächter par excellence, bildet sich ein, es am Herzen zu haben und konsultiert deshalb den Schönheitschirurgen Dr. Gelber.

Dieser liebt hoffnungslos die schöne Valerie, die ihrerseits Konstipationen hat, weil sie sich nicht entscheiden kann, ob sie den Lyriker Bodo Kriegnitz, der ihr hymnische Gedichte schreibt, oder den Filmproduzenten Oskar Reiter zum Geliebten nehmen soll. Reiter beschenkt sie zwar mit teuren Juwelen, steckt aber in finanziellen Schwierigkeiten und sieht seine einzige Rettungschance darin, mit Hilfe des Regisseurs einen Bestseller zu verfilmen, der von einem Misanthropen namens Jakob Windisch geschrieben wurde. Der aber will vom Film nichts wissen, da er einzig und allein damit beschäftigt ist, eine Romanze mit der Kellnerin Seraphina anzuzetteln, und deswegen immer allein im Séparée speist.

Diese komödiantischen Verwicklungen werden noch komplizierter durch das Auftreten einer jungen Schauspielerin mit dem märchenhaften Namen Schneewittchen, die den misogynen Wirt um den Finger wickelt und in einen feurigen Liebhaber verwandelt, und durch die bedrohliche Intervention der drei Bankdirektoren Melk, Hopf und Weich, die dem Filmproduzenten durch kleinliche Rückforderung von Millionen-Krediten einen der letzten schönen, warmen Sommerabende verderben.

Der Hauptteil des Films spielt an einem einzigen Abend und (fast ausschließlich) an einem einzigen Ort, dem Restaurant "Rossini". Die Konflikte und Einzelgeschichten verschränken und überlagern sich auf zunehmend turbulente Weise, kulminieren in einer raschen Folge von Niederlagen und Triumphen sämtlicher Protagonisten, und enden schließlich in einer Vielzahl kleiner Katastrophen - und einer großen.

Eine kurze Coda, die formal an die Eröffnungssequenz anknüpft, schließt die Geschichte zum Kreis und läßt vermuten, dass das Erzählte nur eine Episode aus einer umfassenderen menschlichen Komödie war, die sich fortspinnt, Abend für Abend bei "Rossini" und anderswo.


SzenenfotoDarsteller: Götz George (Uhu Zigeuner), Mario Adorf (Paolo Rossini), Heiner Lauterbach (Oskar Reiter), Gudrun Landgrebe (Valerie), Veronica Ferres (Schneewittchen), Joachim Krol (Jakob Windisch), Hannelore Hoger (Charlotte Sanders), Armin Rohde (Dr. Sigi Gelber), Jan Josef Liefers (Bodo Kriegnitz), Martina Gedeck (Seraphina), Meret Becker (Zillie Watussnik)

Regie: Helmut Dietl

Stab: • Produzenten: Helmut Dietl , Norbert Preuss für Diana Film / BA Film / Bavaria Film / Fanes Film • Drehbuch: Helmut Dietl , Patrick Süskind • Vorlage: Idee von Helmut Dietl • Filmmusik: Dario Farina • Kamera: Gernot Roll • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Albrecht Konrad • Schnitt: Inez Regnier • Kostüme: Bernd Stockinger • Make Up: Heidi Moser-Neumayr, Wolfgang Böge, Brigitte Dettling, Gerhard Nemetz, Gabriela Hörmann • Ton: Chris Price • Toneffektschnitt: Solveig Bores, Sylvia Bartsch-Mayer • Stunts: - •


SzenenfotoFilmkritiken

Filmkritik von Gerhard Heeke

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SzenenfotoBemerkungen

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