Tom Cruise darf sich
im Kino fast alles erlauben. Da sitzt er in der Wohnküche
seiner liebreizenden Angestellten, ist völlig frustriert und
wie Harald Juhnke betrunken, redet ziemlich wirres Zeug und
fängt plötzlich an zu ,,grapschen''. Doch seine
Mitarbeiterin nimmt's gelassen, läuft also nicht dem Trend der
Zeit folgend zum Anwalt, um ihrem Boß eine millionenschwere
Rechnung für diese sexuelle Belästigung zu
präsentieren, sondern geht mit ihm, eine halbe Kinostunde
später, lieber zum Traualtar.
Wen wundert's? Denn Tom Cruise ist nun einmal ein toller Liebhaber, der mal soft ohne dann wieder knallhart mit Sonnenbrille die Herzen aller Frauen bricht, und in Cameron Crowes Film zudem ein solch herzergreifend ehrbarer junger Mann, der das schier Unmögliche wagt. Als Sportagent Jerry Maguire will er nämlich Moral und Geschäft verbinden, will ehrlich und gleichzeitig erfolgreich sein. Seine Firma jedoch weiß, dass das nicht geht, und setzt den vermeintlichen Idealisten kurzerhand an die frische Luft. Aber ein Jerry läßt sich nicht unterkriegen. Schließlich ist Erfolg nicht nur in den USA sogar für ehrbare Männer die Droge Nummer eins, und so kämpft er jetzt verzweifelt wie ein Berserker um und für seine Klienten, erleidet dabei bitterste Niederlagen, ist fast pleite, bis er am Ende dann doch all die bösen und zynischen Konkurrenten besiegt hat und mit Frau und süßem Stiefkind im finalen Sonnenuntergang verschwindet. Das klingt nicht nur schön, sondern ist auch verlogen und könnte für die, die sich vom Pathos dieses Films anstecken lassen, beruflich ganz schlimme Folgen haben. Aber vermutlich wollte Regisseur Cameron Crowe mit ,,Jerry Maguire'' nur ein Kinomärchen erzählen, dass uns von den heimlichen Wünschen und Träumen moderner junger Erfolgsmenschen berichtet, von ihrer Sehnsucht nach Liebe und familiärer Geborgenheit. dass er dabei aber kein Klischee
ausläßt, und auch noch die Liebesromanze zwischen seinem
strahlenden Helden und der fürwahr entzückenden Dorothy
Boyd (Renee Zellweger) so sentimental und tränenreich
inszeniert hat, macht den Genuß des Films nicht gerade
leichter. - Aber seine zahlreichen weiblichen Fans werden ihn
trotzdem mögen und ihrem Tom selbst die schlimme Grapscherei
bestimmt verzeihen.
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Tom Cruise darf sich
im Kino fast alles erlauben. Da sitzt er in der Wohnküche
seiner liebreizenden Angestellten, ist völlig frustriert und
wie Harald Juhnke betrunken, redet ziemlich wirres Zeug und
fängt plötzlich an zu ,,grapschen''. Doch seine
Mitarbeiterin nimmt's gelassen, läuft also nicht dem Trend der
Zeit folgend zum Anwalt, um ihrem Boß eine millionenschwere
Rechnung für diese sexuelle Belästigung zu
präsentieren, sondern geht mit ihm, eine halbe Kinostunde
später, lieber zum Traualtar.