Durch einen tragischen Unfall verliert die 13jährige Amy ihre Mutter. Der Schicksalsschlag reißt sie aus ihrer gewohnten Umgebung und führt sie nach Ontario in Kanada, wo sie fortan bei ihrem Vater, Thomas Alden und seiner Lebensgefährtin Susan, aufwachsen soll. Zunächst steht das einsame und altkluge Mädel ihrem exzentrischen Vater, der als Künstler und Erfinder arbeitet, skeptisch gegenüber.
Nichts scheint das Mädchen mit ihrer Situation aussöhnen zu können, bis sie auf ein verlassenes Nest mit 16 Eiern von Wildgänsen stößt. Vorsichtig sammelt Amy die Eier ein und packt sie in ihre Kommode, wo die Vögel alsbald schlüpfen. Die Jungvögel vermeinen sofort - wie im Lehrbuch bei Konrad Lorenz nachzulesen - in Amy ihre Mutter und ihr Leittier zu erkennen. Da die kleinen Wildgänse ihre Verhaltensmuster von den Eltern erlernen und nicht instinktiv erfassen, watscheln sie sofort im Gleichschritt ihrer "Mutter" hinterher und orientieren sich an ihr.
Dank des gefiederten Familienzuwachses entspannt sich die Situation zwischen Tochter und Vater. Gemeinsam widmen sie sich den putzigen Tieren, die für viel Durcheinander sorgen. Sie müssen vor übereifrigen Gesetzeshütern gerettet werden, die ihnen die Flügel stutzen wollen. Auch ein geldgieriger Spekulant, der_das Vogelschutzgebiet für ein Bauvorhaben nutzen will, muß ausgetrickst werden.
Und dann kommt die schwierigste Aufgabe auf Amy und Thomas zu: Die Tiere müssen das Fliegen erlernen, um im Winter die Reise in den Süden antreten zu können. Schließlich entwickelt Thomas zwei Ultraleicht-Flugzeuge, mit denen sich Tochter und Vater nach einigen schmerzhaften Bruchlandungen in die Luft erheben.
Hinter ihnen fliegen, in schönster Formation, die 16 Wildgänse, die ohne diese tatkräftige Unterstützung den Weg nach North-Carolina niemals gefunden hätten ...
Filmkritiken
Dirk Jasper FilmLexikon: Liebevoll inszenierte und inspirierende Geschichte, die von atemberaubend schönen Tier- und Landschaftsaufnahmen umrahmt wird.
film-dienst 02/1997: Technologisch hochgerüstetes Ökomärchen, das sich an die Autobiografie eines kanadischen Vogelschützers anlehnt. Der anfangs behutsam skizzierte Trauer- und Selbstfindungsprozeß des Mädchens geht vor allem im zweiten Teil durch eine Vielzahl kurioser Einfälle und die Überfülle brillanter Tier- und Naturaufnahmen verloren.
Blickpunkt Film: Neben den hervorragenden Leistungen der sympathisch-individualistischen Protagonisten wird die rührende Tierromantik samt herzerwärmender Situationskomik ihre rührende Wirkung bei Jung und Alt nicht verfehlen.
Cinema 02/1997: Zum Abheben schöne Bilder in einem bewegenden Film über Mensch und Tier.
TV Spielfilm 03/1997: Perfekte Familienunterhaltung mit ebenso komischen wie anrührenden Momenten.
Bemerkungen
Carroll Ballard zeigte sein Talent im Umgang mit Tieren und Kindern bereits in den Filmen "Der schwarze Hengst" (1979) und "Wenn die Wölfe heulen" (1983). Vor "Amy und die Wildgänse" inszenierte er das Drama auf hoher See "Wind" (1992).
Anna Paquin wurde als elfjährige mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin in Jane Campions "Das Piano" (1992) ausgezeichnet. Nach den Filmen "Jane Eyre" und Amistad stand sie auch für Anthony Drazans "Hurlyburly" vor der Kamera.
Jeff Daniels spielte in "Ragtime" (1981), "The Purple Rose Of Kairo", "Gefährliche Freundin", "Arachnophobia", Speed, "Dumm und dümmer", 2 Tage L. A. und in der Komödie von Donald Petrie Der Onkel vom Mars.
Bill Lishman, ein kanadischer Erfinder, bemerkte eines Tages, wie Wildgänse seinem Leichtflugzeug folgten. Seitdem interessiert er sich für diese Tiere und hielt seine Beobachtungen in der Autobiographie "Vater der Gänse - Dem Vogelzug auf der Spur" fest, die dem Film als Grundlage diente.