Ernst Corinth über
Praxis Doktor
Hasenbein
In Helge Schneiders
neustem Kinostreich geht's ab in eine Welt, die jenseits von heute,
gestern und morgen liegt. Sie wird bevölkert von abstrus
verrückt erscheinenden Gestalten. Die Kinder beispielsweise
werden (mit einer Ausnahme) von Erwachsenen, die Frauen von
Männern gespielt. Und dennoch wirken die irrsinnigen
Geschichten, die diese traurig komischen Figuren in den knapp 90
Minuten erleben, auf seltsame Art völlig normal und sogar ein
wenig melancholisch.
Helge Schneider selbst ist
natürlich Doktor Angelika Hasenbein. Ein Arzt, dem man noch
nicht einmal einen Goldfisch anvertrauen würde und der eine
merkwürdige Leidenschaft hat. Täglich fährt er mit
seinem Uralt-Moped in einen Tabakladen, um sich dort das neuste
,,Moped 2000''-Magazin zu besorgen. Doch dann redet und redet er
mit dem genauso skurrilen Inhaber über Zigarren, über
Zeitungen, in denen leider jeden Tag etwas anderes drin steht,
über seine nicht existierende Frau, die ihm gleichwohl das
Rauchen verboten hat, schläft zwischendurch mal kurz im Stehen
ein und kauft am Schluß stets für vier Mark eine
"Überraschungstüte für den Herrn''.
Diese Szene, die sich in
zahlreichen Variationen durch den ganzen Film zieht, ist jedoch
mehr als nur ein herrlich witziger Running Gag, sondern sie
beweist, dass Helge Schneider dabei ist, sich als legitimer
Nachfahr Karl Valentins zu etablieren. Und dass hinter der Maske
des debilen Deppen in Wirklichkeit ein überaus wacher Komiker
steckt, der uns auf seine Weise die Welt erklärt. Und dass die
verrückt ist, ahnen wir ja schon lange.
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