Gerhard Heeke über Fräulein Smillas Gespür für Schnee

Sowie Fräulein Smilla ein Gespür für Schnee hat, hat der Regisseur Bille August ein Gespür für gute Kinofilme.

Im Mittelpunkt dieses Krimis steht die junge und recht harsche Smilla Jaspersen. Sie versucht den mysteriösen "Unfall" aufzuklären, der einem kleinen Jungen das Leben kostete. Jesaja, so der Name des kleinen Jungen, hat es als einer der wenigen geschafft zu Smillas Herz durchzudringen. Sie kümmert sich um den Jungen, denn dessen Mutter ist Alkoholikerin und den Jungen nur so recht und schlecht versorgen. Eines Tages kommt Smilla nach Hause und hört, dass Jesaja beim Spielen vom Dach gefallen sei. Dies macht Smilla mißtrauisch, denn der Junge litt unter entsetzlicher Höhenangst. Sie klinkt sich in die Ermittlungen ein. So erfährt sie, dass sich ein berühmter Professor höchstselbst um die Obduktion gekümmert hat. Sie ermittelt, dass Jesaja schon seit mehreren Jahren jeden Monat von einem Arzt untersucht worden ist. Außerdem leistet eine große Minengesellschaft regelmäßig Zahlungen an die Mutter des Jungen. Als Smilla dem Geheimnis zu nahe kommt, wird ein Attentat auf sie begangen und außerdem übt die Polizei Druck auf sie aus. Ihr einziger Freund scheint der Nachbar unter ihr zu sein. Aber kann sie ihm wirklich trauen?

Peter Hoegs gleichnamiger Roman war monatelang auf der Bestsellerliste. Wie schon soviele Romane vorher galt auch dieser als unverfilmbar. Dies mag - in der ganzen Literarischen Breite gesehen - auch stimmen. Aber der Roman weist auch eine sehr interessante und spannende Kriminalgeschichte auf. Und diese eignet sich sehr wohl für einen guten Film. So hat Bille August, übrigens ein Freund von Peter Hoeg, sich auch ganz auf die Kriminalstory konzentriert. Einige Personen und Handlungsstränge sind abgewandelt. Dies ist sicherlich kein Fehler, dann Buch und Film sind doch zwei sehr unterschiedliche Medien, die jeweils ihre eigenen Stilmittel und Stärken haben.

"Fräulein Smillas Gespür für Schnee" ist, im Vergleich zu vielen anderen Krimis der letzten Zeit, beinahe ein beschaulicher Film. Es wurde fast vollkommen auf Actionelemente verzichtet. Die Personen und die Story die sie erzählen stehen im Vordergrund.

Das soll nun aber beileibe nicht heißen, dass der Streifen langweilig wäre. Der Spannungsbogen wird geschickt aufgebaut und hält den Zuschauer gefangen. Selbt diejenigen, die den Roman schon erschlungen haben und daher die Story (und den Ausgang) kennen, werden diesem Film trotzalledem noch fesselnde Momente abgewinnen können.

In einigen Kritiken ist über die Besetzung der Smilla Jaspersen beanstandet worden. Ich kann mich dem nicht anschließen. Ganz im Gegenteil halte ich Julia Ormond für eine der besten, denkbaren Smillas. Ihr Gesicht, ihre ganze Körpersprache: Das ist ganz eindeutig die Smilla aus dem Buch. Auch die Rollenbesetzung ihres "Freundes", den Mechaniker, gespielt von Gabriel Byrne, finde ich gelungen.

Warum allerdings Mario Adorf unbedingt noch in den Film mußte habe ich nicht verstanden. Die Rolle ist winzig. Herr Adorf leistet kaum mehr als einen Cameo Auftritt. Aber vielleicht war dies ja auch so beabsichtigt?

Gut gefallen hat mir auch die Kameraführung, insbesondere bei den (filmtechnisch) heiklen Szenen im "ewigen Eis". Die Musik (u. a.) von Hans Zimmer ist unauffällig und reißt nicht gerade vom Hocker.

Fazit: Spannender Krimi

8 von 10 Schneefrauen

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